DAT424 Ein Datenleck nach dem anderen – und niemand regt sich auf? (Teil 1)
Shownotes
- Teil 2: Folgt!
Weblinks:
Hinweise am Anfang:
- Podcast: Das tollste Medium der Welt wird 20 Jahre alt (Matthias Schüssler, Clickomania)
- Datenschutz-Festival 2026: Datenschutz auf der Höhe der Zeit (Digitale Gesellschaft)
Datenleck bei Offerz (offerz.ch):
- Häufige Fragen zum Datenschutzvorfall (Offerz)
- Hackerangriff auf Offerz: 115'000 Kundendaten betroffen (Watson)
Datenleck bei Quitt (quitt.ch):
- Data breach at quitt.ch (Reddit)
- Cyberleck bei Quitt (Inside Paradeplatz)
- quitt.ch piraté : les données sensibles de près de 30 000 personnes mises en vente (Cyberattaque.org)
Datenleck bei Ricardo:
- Cyberangriff auf Plattform: Daten von 890'000 Ricardo-Nutzern gehackt (Blick)
- E‑Mail-Kommunikation der Ricardo AG (Antoine Neuenschwander, LinkedIn)
- Ricardo: Hack wegen Spardruck und Auslagerungen? (Inside Paradeplatz)
- Ricardo-Datenleck: Jetzt nutzen Betrüger WhatsApp – so schützt du dich (Digitec)
- SMG Swiss Marketplace Group AG (Deutschsprachige Wikipedia)
Datenleck bei Pensionskassen:
- PK Softech – Softwarelösung für die berufliche Vorsorge (PK Softech, Homepage)
- Cyberangriff auf Softwarelieferant von Publica: Datenabfluss bestätigt (Publica, admin.ch)
- Personendaten vermutlich von Cyberangriff betroffen (Publica, Newsletter)
- Information zur Datensicherheit: Cyberangriff auf Softwarelieferanten (Publica)
- Hackerangriff auf IT-Dienstleister zieht weitere Kreise (finews.ch)
- Nach Publica-Hack: Bundesagenten könnten im Ausland enttarnt werden (Nau)
- Immer mehr betroffene Pensionskassen: Die Daten von über 100 000 Versicherten könnten nun bei Cyberkriminellen sein (Neue Zürcher Zeitung, NZZ)
- Xplain – ein Beschaffungsskandal («Republik»)
- Fall Xplain: Der Bund hat den Hackern Tür und Tor geöffnet (Tages-Anzeiger)
- EDÖB schliesst Untersuchungen gegen das Unternehmen Xplain und die Bundesämter fedpol und BAZG ab (Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, EDÖB)
Datenleck bei der «Republik»:
- Hacker erbeuten Republik-Nutzerdaten (Republik)
- Republik: Hackerangriff auf die «Republik»: Daten aller Nutzer gestohlen (persoenlich.com)
- Anonyme Kommentare auf News-Portalen und Quellenschutz (Daniel Glasl, Medialex)
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Über die «Datenschutz-Plaudereien»
Rechtsanwalt Martin Steiger und Andreas Von Gunten, Co-Gründer von Datenschutzpartner, plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
Impressum: https://www.datenschutzpartner.ch/impressum/
Transkript anzeigen
00:00:01: Sprecher: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien.
00:00:05: Sprecher: Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches
00:00:07: Sprecher: rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
00:00:13: Martin Steiger: Guten Tag,
00:00:14: Martin Steiger: mein Name ist Martin Steiger.
00:00:16: Andreas Von Gunten: Und mein Name ist Andreas Von Gunten.
00:00:18: Martin Steiger: Andi, bevor wir zum heutigen Thema kommen,
00:00:20: Martin Steiger: zum Thema all dieser Datenlecks, die im Moment in der Schweiz auftauchen,
00:00:24: Martin Steiger: ein paar Hinweise.
00:00:27: Martin Steiger: Zuerst wieder einmal ein Hinweis an unser Publikum:
00:00:29: Martin Steiger: Wir freuen uns natürlich über Bewertungen und Kommentare,
00:00:32: Martin Steiger: über Rückmeldungen.
00:00:34: Martin Steiger: Bewertungen kann man auf den Podcast-Plattformen abgeben:
00:00:37: Martin Steiger: Apple Podcasts, Spotify,
00:00:39: Martin Steiger: Pocket Casts bietet das auch an.
00:00:41: Martin Steiger: Das kann man bei ganz vielen anderen auch machen,
00:00:42: Martin Steiger: natürlich möglichst mit einer positiven Bewertung.
00:00:44: Martin Steiger: Das hilft auch, dass andere unseren Podcast finden, die ihn noch nicht kennen.
00:00:48: Martin Steiger: Das ist ein Grundproblem beim Podcasting.
00:00:50: Martin Steiger: Es gibt ganz viele tolle Podcasts, die zum Teil schon seit Jahren existieren und die man nicht kennt.
00:00:54: Martin Steiger: Ich entdecke immer noch neue Podcasts, die es schon seit Ewigkeiten gibt,
00:00:56: Martin Steiger: die ich bisher nicht kannte.
00:00:58: Martin Steiger: Das kann in diesem Zusammenhang definitiv helfen.
00:01:01: Andreas Von Gunten: Genau.
00:01:02: Andreas Von Gunten: Und da haben wir auch gerade einen guten Hinweis zum Thema Podcast,
00:01:06: Andreas Von Gunten: den wir geben möchten.
00:01:07: Andreas Von Gunten: Und zwar gibt es einen Journalisten,
00:01:09: Andreas Von Gunten: den die meisten von Euch natürlich kennen:
00:01:11: Andreas Von Gunten: Matthias Schüssler,
00:01:13: Andreas Von Gunten: der seit Jahren auch bloggt.
00:01:14: Andreas Von Gunten: Das gehört ja auf eine Art ein bisschen zum Gleichen wie Podcasting.
00:01:17: Andreas Von Gunten: Man kann sagen, Podcasts
00:01:19: Andreas Von Gunten: sind die Audioversion des Bloggens,
00:01:21: Andreas Von Gunten: mit ein wenig mehr Möglichkeiten,
00:01:23: Andreas Von Gunten: die sie bieten.
00:01:24: Andreas Von Gunten: Auf jeden Fall ist Matthias Schüssler ein Blogger der ersten Stunde,
00:01:27: Andreas Von Gunten: wie wir zwei ja auch,
00:01:29: Andreas Von Gunten: und eben auch jemand, der sich mit Audio beschäftigt.
00:01:32: Andreas Von Gunten: Er ist Radiojournalist und arbeitet bei einem interessanten Radio.
00:01:35: Andreas Von Gunten: Er macht immer wieder Beiträge bei einem alternativen Radio in Winterthur.
00:01:39: Andreas Von Gunten: Und er hat einen Blog,
00:01:40: Andreas Von Gunten: Clickomania, und dort hat er kürzlich über 20 Jahre Podcast geschrieben:
00:01:45: Andreas Von Gunten: «Ein Hoch auf eine Errungenschaft des Internets, die den Kommerzgelüsten von Spotify trotzte
00:01:50: Andreas Von Gunten: und die sich in den letzten 20 Jahren vom Nerd-Experiment zum täglichen Begleiter entwickelte,
00:01:56: Andreas Von Gunten: der authentisch bleibt, selbst wenn er Massen verzückt.»
00:01:59: Andreas Von Gunten: Eine Liebeserklärung an den Blogpost.
00:02:02: Andreas Von Gunten: An den Podcast.
00:02:04: Andreas Von Gunten: Eine Liebeserklärung an den Podcast.
00:02:09: Andreas Von Gunten: Jedenfalls ein lesenswerter Beitrag.
00:02:12: Martin Steiger: Und noch ein letzter Hinweis, der passt auch zum heutigen Thema der Datenlecks oder Data Leaks.
00:02:17: Martin Steiger: Da ist ja das Datenschutz-Festival der Digitalen Gesellschaft am Freitagnachmittag.
00:02:21: Martin Steiger: Darauf haben wir auch schon hingewiesen.
00:02:23: Martin Steiger: Und dort ist der EDÖB, also Dr. Adrian Lobsiger, zu Gast.
00:02:26: Martin Steiger: Und das ist eben genau auch ein Thema, zu dem es Fragen an ihn geben wird, denke ich.
00:02:30: Martin Steiger: Also: Wie ist das mit all diesen Datenlecks, die es im Moment gibt?
00:02:36: Martin Steiger: Und ich tue jetzt so,
00:02:37: Martin Steiger: als wäre völlig selbstverständlich, dass alle wissen, was es mit diesen Datenlecks auf sich hat.
00:02:42: Martin Steiger: Aber ich glaube, man hat es vielleicht schon mitbekommen.
00:02:45: Martin Steiger: Es gibt gerade eine kleine Serie in der Schweiz.
00:02:47: Martin Steiger: Ich bin kürzlich von der Republik informiert worden,
00:02:51: Martin Steiger: also, ich sage mal, einem etwas linksalternativen Online-Magazin,
00:02:55: Martin Steiger: dass sie irgendwie die ganze Datenbank verloren haben.
00:02:59: Martin Steiger: Darüber können wir dann noch reden.
00:03:00: Martin Steiger: Dann hat die Pensionskasse des Bundes,
00:03:02: Martin Steiger: Publica,
00:03:04: Martin Steiger: über einen Datenabfluss informiert.
00:03:06: Martin Steiger: Unterdessen auch ganz viele andere Pensionskassen,
00:03:08: Martin Steiger: weil sie offenbar alle den gleichen Softwarelieferanten haben.
00:03:11: Martin Steiger: Dann das Auktionsportal der Swiss Marketplace Group,
00:03:15: Martin Steiger: Ricardo,
00:03:16: Martin Steiger: die hatten da auch ein Problem.
00:03:18: Martin Steiger: Dann eine Plattform namens Quitt,
00:03:21: Martin Steiger: davon habe ich auf Reddit gelesen.
00:03:23: Martin Steiger: Das ist so eine Plattform,
00:03:25: Martin Steiger: wie ich salopp gesagt habe: Wenn Du eine Putzfrau legal beschäftigen willst,
00:03:28: Martin Steiger: nehmen die Dir die ganze Bürokratie ab.
00:03:31: Martin Steiger: Und schliesslich noch Offerz.
00:03:33: Martin Steiger: Das ist wohl so ein Online-Shop,
00:03:35: Martin Steiger: den ich ehrlich gesagt gar nicht kenne.
00:03:37: Martin Steiger: Aber die hatten auch noch ein Problem.
00:03:39: Martin Steiger: Darauf können wir dann auch noch zurückkommen.
00:03:41: Martin Steiger: Eben, ich bin bei der Republik direkt betroffen.
00:03:45: Martin Steiger: Ja.
00:03:45: Martin Steiger: Andi,
00:03:45: Martin Steiger: hast Du auch Mitteilungen bekommen?
00:03:47: Martin Steiger: Bist Du direkt betroffen?
00:03:49: Andreas Von Gunten: Ja,
00:03:49: Andreas Von Gunten: ich bin natürlich auch direkt betroffen bei der Republik,
00:03:52: Andreas Von Gunten: wie sehr viele in meinem Umfeld.
00:03:54: Andreas Von Gunten: Und ich möchte noch etwas zu der Liste sagen, die Du vorhin vorgelesen hast.
00:03:58: Andreas Von Gunten: Ich weiss nicht, wie es anderen geht,
00:03:59: Andreas Von Gunten: die uns vielleicht zuhören.
00:04:02: Andreas Von Gunten: Ich hatte irgendwann ein bisschen die Nase voll.
00:04:04: Andreas Von Gunten: Es hat irgendwie nicht mehr aufgehört.
00:04:06: Andreas Von Gunten: Und ich habe es auch nicht mehr so richtig wahrgenommen.
00:04:09: Andreas Von Gunten: Heute bei der Vorbereitung, als wir noch einmal geschaut haben, was alles dazugehört,
00:04:12: Andreas Von Gunten: ist mir das nochmals richtig bewusst geworden. Aber ich weiss noch: Bei Ricardo habe ich mittlerweile nur noch mit den Schultern gezuckt.
00:04:17: Andreas Von Gunten: Also weisst Du, es ist so, eigentlich bei allem.
00:04:19: Andreas Von Gunten: Ja.
00:04:20: Andreas Von Gunten: Und das ist eigentlich schon verrückt,
00:04:22: Andreas Von Gunten: oder?
00:04:22: Andreas Von Gunten: Es kommt einem im Moment fast so vor,
00:04:24: Andreas Von Gunten: als ob es gar nicht mehr anders möglich wäre.
00:04:27: Andreas Von Gunten: Man muss eigentlich damit rechnen, dass überall,
00:04:28: Andreas Von Gunten: wo irgendwelche Daten von mir sind, diese jetzt an die Öffentlichkeit gelangen.
00:04:31: Andreas Von Gunten: So hat man ein bisschen das Gefühl.
00:04:33: Andreas Von Gunten: Bei mir herrscht ein bisschen Ratlosigkeit, ein bisschen Ermüdung.
00:04:36: Martin Steiger: Ich habe gerade daran gedacht:
00:04:38: Martin Steiger: Ich erinnere mich, Andi, wir haben über das Naming and Shaming durch den EDÖB gesprochen.
00:04:42: Martin Steiger: Und jetzt habe ich das Gefühl, es spielt gar keine Rolle mehr.
00:04:44: Martin Steiger: Also ob der EDÖB jetzt noch über irgendjemanden sagt:
00:04:46: Martin Steiger: «Ja, die haben den Datenschutz verletzt», oder so,
00:04:48: Martin Steiger: darauf kommt es dann auch nicht mehr an.
00:04:50: Martin Steiger: Ja, eines nach dem anderen kommt.
00:04:52: Martin Steiger: Es gibt gar nicht mehr die Aufmerksamkeit,
00:04:53: Martin Steiger: um sich wirklich vertieft darum zu kümmern.
00:04:55: Martin Steiger: Die Medien schon gar nicht, bei dem, was von ihnen noch übrig ist.
00:04:58: Martin Steiger: Ich meine, die wenigen Medienschaffenden,
00:04:59: Martin Steiger: die überhaupt die Kompetenz haben,
00:05:01: Martin Steiger: sich mit dem Thema zu befassen,
00:05:02: Martin Steiger: ohne nur die Medienmitteilung wiederzugeben
00:05:04: Martin Steiger: oder einfach ganz allgemeine Dinge zu sagen,
00:05:06: Martin Steiger: von denen gibt es nicht mehr viele.
00:05:09: Martin Steiger: Wollen wir mal starten? Vielleicht mit einem Blick auf die Ursachen.
00:05:12: Martin Steiger: Ich finde es natürlich auch interessant,
00:05:14: Martin Steiger: Andi, Du und ich sind ja zum Teil auch verantwortlich für Kundendaten, für Daten Dritter. Man kann jetzt immer Kritik üben und sagen, es sollte nicht passieren.
00:05:23: Martin Steiger: Logisch, es sollte nicht passieren.
00:05:25: Martin Steiger: Aber ich glaube, man kann auch immer etwas daraus lernen.
00:05:27: Andreas Von Gunten: Genau.
00:05:28: Andreas Von Gunten: Und das ist auch das, was ich hoffe, wenn wir noch über den einen oder anderen Fall reden.
00:05:33: Andreas Von Gunten: Man merkt aber auch immer wieder, und das werden wir vielleicht auch noch sehen,
00:05:35: Andreas Von Gunten: dass sehr oft eben keine Informationen vorhanden sind oder fast keine.
00:05:39: Andreas Von Gunten: Und da kann man eben nicht daraus lernen.
00:05:40: Andreas Von Gunten: Und ich habe das Gefühl, das ist auch das, was wir jetzt erleben:
00:05:43: Andreas Von Gunten: diese Art Schulterzucken.
00:05:45: Andreas Von Gunten: Man bekommt eigentlich nur mit,
00:05:46: Andreas Von Gunten: dass etwas passiert.
00:05:47: Andreas Von Gunten: Man hat das Gefühl, das kann halt passieren.
00:05:49: Andreas Von Gunten: Aber wir lernen irgendwie nicht daraus,
00:05:51: Andreas Von Gunten: oder fast nie.
00:05:52: Andreas Von Gunten: Und da hoffe ich jetzt, dass wir heute vielleicht einen kleinen Beitrag leisten können.
00:05:56: Martin Steiger: Fangen wir an.
00:05:57: Martin Steiger: Ich kann versuchen, darzulegen,
00:05:58: Martin Steiger: was die Ursachen sind, soweit man sie schon kennt.
00:06:01: Martin Steiger: Je nachdem.
00:06:02: Martin Steiger: Ich habe nicht überall gleich tief recherchiert und bin zum Glück nicht überall selber betroffen.
00:06:08: Martin Steiger: Bei Offerz, dem Online-Shop oder der Online-Shop-Plattform,
00:06:11: Martin Steiger: war es wohl so,
00:06:12: Martin Steiger: dass ein externer IT-Dienstleister eine Kopie von produktiven Daten,
00:06:17: Martin Steiger: also von echten Kundendaten,
00:06:19: Martin Steiger: für Testzwecke in einer Cloud-Umgebung abgelegt hat.
00:06:22: Martin Steiger: Und die sind nach Abschluss der Arbeit nicht gelöscht worden.
00:06:27: Martin Steiger: Die Täterschaft hat dann Zugriff auf die nicht gut genug gesicherte Testumgebung bekommen.
00:06:33: Martin Steiger: Also man hatte einerseits Testdaten, die nicht gut genug geschützt waren,
00:06:37: Martin Steiger: man hat sie nicht gelöscht, und es waren dann auch noch echte Daten,
00:06:40: Martin Steiger: die man zum Testen verwendet hat.
00:06:42: Martin Steiger: Genau.
00:06:43: Andreas Von Gunten: Man muss immer den Einzelfall anschauen.
00:06:45: Andreas Von Gunten: Ich möchte auch noch einmal an Dich anknüpfen.
00:06:48: Andreas Von Gunten: Es geht nicht darum,
00:06:49: Andreas Von Gunten: dass wir überall besser wissen,
00:06:50: Andreas Von Gunten: wie man es machen könnte,
00:06:51: Andreas Von Gunten: sondern es ist einfach gut,
00:06:52: Andreas Von Gunten: dass man sich darüber klar wird,
00:06:53: Andreas Von Gunten: was man alles machen kann,
00:06:54: Andreas Von Gunten: um solche Dinge zu verhindern.
00:06:56: Andreas Von Gunten: Und da finde ich,
00:06:56: Andreas Von Gunten: sind zwei Dinge sehr wichtig.
00:06:57: Andreas Von Gunten: Das eine ist wirklich,
00:06:58: Andreas Von Gunten: dass man Testdaten heute fast immer problemlos generieren kann.
00:07:03: Andreas Von Gunten: Das ist heute fast kein Problem mehr.
00:07:04: Andreas Von Gunten: Früher war es vielleicht noch ein bisschen aufwendiger,
00:07:06: Andreas Von Gunten: aber heute ist es mit KI wirklich kein Problem mehr, sich Testdaten generieren zu lassen.
00:07:11: Andreas Von Gunten: Natürlich ist mir auch klar,
00:07:13: Andreas Von Gunten: am Schluss
00:07:13: Andreas Von Gunten: ist es dann schon so:
00:07:14: Andreas Von Gunten: Man muss wirklich davon ausgehen,
00:07:16: Andreas Von Gunten: dass es mit den realen Daten wieder anders aussieht,
00:07:18: Andreas Von Gunten: je nachdem,
00:07:19: Andreas Von Gunten: wie man die Testdaten generiert.
00:07:20: Andreas Von Gunten: Aber nochmals:
00:07:21: Andreas Von Gunten: Das kann man wirklich gut lösen.
00:07:22: Andreas Von Gunten: Und das Zweite ist
00:07:23: Andreas Von Gunten: das Aufräumen nach dem Testen. Das kenne ich auch bei mir, logischerweise, das ist ein Problem.
00:07:28: Andreas Von Gunten: Man muss sich dort wirklich ganz fest zusammenreissen,
00:07:32: Andreas Von Gunten: wenn man etwas zum Testen gemacht hat,
00:07:34: Andreas Von Gunten: dass man nachher wieder aufräumt.
00:07:35: Andreas Von Gunten: Und das ist halt wirklich etwas, was man sich hinter die Ohren schreiben muss.
00:07:39: Andreas Von Gunten: Es ist so mühsam,
00:07:40: Andreas Von Gunten: aber man muss es machen.
00:07:41: Andreas Von Gunten: Das zeigt sich jetzt sehr schön: Das wird sehr oft vernachlässigt.
00:07:44: Martin Steiger: Das ist so. Und eben, der Idealfall wäre,
00:07:47: Martin Steiger: dass man nicht mit produktiven Daten testet, sondern mit synthetischen Daten.
00:07:51: Martin Steiger: Bei «mit KI ganz einfach» bin ich ein bisschen skeptisch, weil je nachdem, wie Du das machst,
00:07:55: Martin Steiger: das Problem besteht,
00:07:56: Martin Steiger: dass Deine produktiven Daten für die Herstellung von synthetischen Daten wieder irgendwo landen.
00:08:01: Martin Steiger: Also wenn man KI nutzt, über die Compliance-Probleme haben wir auch schon gesprochen. Aber ja, es ist lösbar.
00:08:06: Martin Steiger: Man kann das selber KI-gestützt machen.
00:08:08: Martin Steiger: Wenn man Projekte entwickelt,
00:08:09: Martin Steiger: Software entwickelt,
00:08:10: Martin Steiger: ist es dort unterdessen so,
00:08:11: Martin Steiger: dass die KI-Agenten das sogar selber vorschlagen.
00:08:14: Martin Steiger: Also die Tests, die sie ja sehr gerne machen, wo auch ihr Harness beim Coden dabei ist,
00:08:19: Martin Steiger: da gehört es fast dazu,
00:08:20: Martin Steiger: dass sie synthetische Daten verwenden und lokale Tests machen.
00:08:25: Martin Steiger: Dann Quitt oder quitt.ch.
00:08:28: Martin Steiger: Dort haben die Angreifer wohl automatisiert gefälschte Arbeitgeberinnen- und Arbeitgeberkonten erstellt und dann offenbar über eine veraltete API,
00:08:38: Martin Steiger: also eine Schnittstelle,
00:08:40: Martin Steiger: knapp 30'000 Profile von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abrufen können.
00:08:46: Martin Steiger: Also einerseits gab es noch die API,
00:08:50: Martin Steiger: die wohl veraltet und unsicher war.
00:08:53: Martin Steiger: Das deutet darauf hin, ich habe es nicht nachgeprüft, aber es soll eine neue,
00:08:56: Martin Steiger: moderne API geben, wie das so häufig ist.
00:08:58: Martin Steiger: Und eben, dann haben Zugriffskontrollen nicht richtig funktioniert.
00:09:02: Martin Steiger: Und was natürlich auch häufig vorkommt,
00:09:03: Martin Steiger: ist, dass solche Dinge skalieren.
00:09:06: Martin Steiger: Eben, es stand, sie hätten irgendwie Arbeitgeberkonten erstellt.
00:09:09: Martin Steiger: Ich habe jetzt den Mechanismus nicht genau durchschaut,
00:09:11: Martin Steiger: aber für mich steckt die Lektion vor allem in dieser veralteten technischen API.
00:09:18: Martin Steiger: Ja.
00:09:18: Andreas Von Gunten: Und dort haben wir natürlich auch ein klassisches Problem, das man als Softwareanbieter hat.
00:09:22: Andreas Von Gunten: Ich kann mir gut vorstellen,
00:09:24: Andreas Von Gunten: dass sie die API noch weiterlaufen liessen,
00:09:26: Andreas Von Gunten: weil sie ein paar Kunden haben,
00:09:28: Andreas Von Gunten: die die Legacy-API noch nutzen, und sie diese nicht richtig dazu gezwungen haben, auf die neue zu wechseln.
00:09:33: Andreas Von Gunten: Das ist auch mühsam, und das scheisst auch die Kunden an.
00:09:36: Andreas Von Gunten: Und dann muss man halt auch gut kommunizieren und gut erklären,
00:09:38: Andreas Von Gunten: warum das so ist.
00:09:38: Andreas Von Gunten: Das ist halt oft ein kleines Problem, wenn man früh dabei ist.
00:09:40: Andreas Von Gunten: Also wenn sie früh angefangen haben, APIs anzubieten, und diese weiterentwickeln mussten,
00:09:45: Andreas Von Gunten: nachher merken, sie müssen das auf eine bessere Basis stellen,
00:09:48: Andreas Von Gunten: dass sie das dann nicht durchgesetzt haben.
00:09:50: Andreas Von Gunten: Und ich glaube, das müssen wir auch als Kundinnen und Kunden solcher Angebote akzeptieren,
00:09:56: Andreas Von Gunten: wenn wir APIs nutzen.
00:09:57: Andreas Von Gunten: Es kann sein,
00:09:58: Andreas Von Gunten: dass wir auf unserer Seite nochmals umstellen müssen,
00:10:00: Andreas Von Gunten: weil in der Zwischenzeit
00:10:01: Andreas Von Gunten: die Anbieterseite,
00:10:02: Andreas Von Gunten: die uns Daten liefert,
00:10:03: Andreas Von Gunten: eine bessere, sicherere Lösung hat.
00:10:05: Andreas Von Gunten: Das scheisst ein bisschen an,
00:10:07: Andreas Von Gunten: aber das muss man halt machen.
00:10:08: Andreas Von Gunten: Das ist so.
00:10:09: Martin Steiger: Bei Ricardo war wohl auch eine Schwachstelle in einer API.
00:10:14: Martin Steiger: Sie sagen das nicht so klar.
00:10:16: Martin Steiger: Sie sprechen von einer Sicherheitslücke in einer Schnittstelle für Lieferinformationen,
00:10:22: Martin Steiger: was auch immer das heisst.
00:10:23: Martin Steiger: Ich habe mich ein bisschen umgehört, und man sagte mir,
00:10:25: Martin Steiger: dass dort irgendwie Angaben von Leuten drin seien,
00:10:29: Martin Steiger: die etwas gekauft haben.
00:10:31: Martin Steiger: Sprich, die betroffenen Personen haben etwas bei Ricardo gekauft, und das war die Datenbank,
00:10:37: Martin Steiger: auf die man über die Schnittstelle zugreifen konnte.
00:10:40: Martin Steiger: Bei Ricardo finde ich noch interessant,
00:10:41: Martin Steiger: dass es online auch Lob für ihre Kommunikation gab.
00:10:45: Martin Steiger: Bei LinkedIn zum Beispiel hat Antoine das geteilt.
00:10:48: Andreas Von Gunten: Ja.
00:10:49: Andreas Von Gunten: Also ich finde die Kommunikation okay.
00:10:51: Andreas Von Gunten: Das sage ich auch als jemand,
00:10:53: Andreas Von Gunten: der auch schon dabei geholfen hat, solche Kommunikation
00:10:55: Andreas Von Gunten: mitzuentwerfen.
00:10:56: Andreas Von Gunten: Das ist immer so ein bisschen eine Sache.
00:10:58: Andreas Von Gunten: Je nachdem weisst Du ja nicht so viel
00:11:00: Andreas Von Gunten: und willst die Leute nicht unnötig verschrecken.
00:11:02: Andreas Von Gunten: Zum Teil sagst Du auch:
00:11:03: Andreas Von Gunten: «Jetzt warnen wir auch wieder vor Phishing.»
00:11:05: Andreas Von Gunten: Das haben die anderen auch schon gemacht.
00:11:06: Andreas Von Gunten: Das haben wir auch schon in einem Podcast diskutiert.
00:11:08: Andreas Von Gunten: Aber ja,
00:11:08: Andreas Von Gunten: ich finde das alles in allem noch okay,
00:11:10: Andreas Von Gunten: das E-Mail, das Antoine veröffentlicht hat.
00:11:13: Andreas Von Gunten: Wie bei allem, worüber wir reden,
00:11:14: Andreas Von Gunten: gibt es dazu dann auch einen Link in den Shownotes.
00:11:16: Andreas Von Gunten: Diejenigen, die das zum Glück nicht selber bekommen haben, weil sie nicht betroffen sind, können es nachlesen.
00:11:21: Martin Steiger: Spannend finde ich noch,
00:11:22: Martin Steiger: dass die Grussformel am Schluss lautet:
00:11:24: Martin Steiger: «Freundliche Grüsse, Francesco.»
00:11:27: Martin Steiger: Geschäftsführer Ricardo AG.
00:11:29: Martin Steiger: Das habe ich so noch nie gesehen,
00:11:30: Martin Steiger: dass man
00:11:31: Martin Steiger: in der E-Mail die Empfängerinnen und Empfänger
00:11:33: Martin Steiger: siezt, aber am Schluss kommt dann
00:11:35: Martin Steiger: «Francesco».
00:11:35: Martin Steiger: Ich weiss nicht, ob das Absicht
00:11:37: Martin Steiger: ist oder so.
00:11:37: Martin Steiger: Ich will es gar nicht werten,
00:11:39: Martin Steiger: aber es ist mir einfach aufgefallen.
00:11:40: Andreas Von Gunten: Ja, lustig, das ist mir jetzt nicht aufgefallen,
00:11:42: Andreas Von Gunten: aber Du hast recht.
00:11:43: Andreas Von Gunten: Das ist noch ein interessanter Aspekt,
00:11:45: Andreas Von Gunten: vor allem, wenn man weiss, dass Ricardo ja
00:11:46: Andreas Von Gunten: zur grossen Swiss Marketplace Group gehört,
00:11:48: Andreas Von Gunten: also zum eigentlich einzigen verbliebenen
00:11:51: Andreas Von Gunten: Marktplatzanbieter in der Schweiz, zu dem
00:11:52: Andreas Von Gunten: alle diese Plattformen gehören, oder fast alle.
00:11:55: Andreas Von Gunten: Dann ist es interessant, dass man versucht, Nähe herzustellen,
00:11:58: Andreas Von Gunten: obwohl man eigentlich zu einem Grosskonzern gehört.
00:12:00: Martin Steiger: Vor allem ist es so,
00:12:01: Martin Steiger: dass Ricardo unterdessen bei vielen verhasst ist.
00:12:04: Martin Steiger: Wie überhaupt die Praktiken der Swiss Marketplace Group.
00:12:07: Martin Steiger: Die drücken natürlich recht auf die Gebühren.
00:12:09: Martin Steiger: Ich muss sagen, an der Börse, ich habe sie zuletzt nicht verfolgt,
00:12:12: Martin Steiger: aber ich glaube, die sind mal recht gecrasht.
00:12:14: Martin Steiger: Das ist, glaube ich, nicht so schön mit dem Börsenwert.
00:12:16: Martin Steiger: Und eben, die Gebühren erhöhen,
00:12:19: Martin Steiger: die Renditen erhöhen:
00:12:20: Martin Steiger: Sie haben sicher eine sehr starke Stellung im Markt.
00:12:23: Martin Steiger: Was aber jetzt nach und nach natürlich auch der Konkurrenz den Weg öffnet.
00:12:26: Martin Steiger: Und eben, sie leiden natürlich vielleicht auch ein bisschen unter KI.
00:12:29: Martin Steiger: Das ist halt immer die grosse Frage,
00:12:30: Martin Steiger: die jetzt über allem schwebt: Braucht es diese Art von Plattformen überhaupt noch?
00:12:35: Martin Steiger: Das wird man dann sehen.
00:12:37: Andreas Von Gunten: Ja, was ich auch noch interessant finde,
00:12:38: Andreas Von Gunten: das ist zwar wirklich ein Nebenschauplatz,
00:12:40: Andreas Von Gunten: das war mir gar nicht so bewusst:
00:12:41: Andreas Von Gunten: Es gibt mittlerweile ganz viele
00:12:42: Andreas Von Gunten: WhatsApp-Marktplätze,
00:12:45: Andreas Von Gunten: lokale, regionale,
00:12:46: Andreas Von Gunten: die die Leute nutzen.
00:12:46: Andreas Von Gunten: Ich merke, dass da immer mehr Leute
00:12:49: Andreas Von Gunten: inzwischen ganz ausgewichen sind
00:12:50: Andreas Von Gunten: auf eine ganz andere Art und Weise,
00:12:51: Andreas Von Gunten: wie sie das handeln.
00:12:52: Martin Steiger: Das habe ich gar nicht mitbekommen.
00:12:53: Martin Steiger: Das ist völlig an mir vorbeigegangen.
00:12:55: Andreas Von Gunten: Da gibt es wirklich ganz viele,
00:12:56: Andreas Von Gunten: das sind dann häufig solche Gruppen.
00:12:58: Andreas Von Gunten: Der Nachteil ist halt:
00:12:59: Andreas Von Gunten: Das sind geschlossene Gruppen,
00:13:00: Andreas Von Gunten: es ist unübersichtlich.
00:13:02: Andreas Von Gunten: Du hast keine Suchfunktion oder so,
00:13:04: Andreas Von Gunten: sondern bist einfach dort drin
00:13:05: Andreas Von Gunten: und siehst halt, was so kommt.
00:13:07: Andreas Von Gunten: Das scheinen viele Leute spannend zu finden, vielleicht fast schon als Freizeitbeschäftigung.
00:13:10: Andreas Von Gunten: Aber es bedingt natürlich,
00:13:12: Andreas Von Gunten: dass Du dort dabei bist,
00:13:13: Andreas Von Gunten: weil Du sonst das Angebot verpasst.
00:13:14: Andreas Von Gunten: Das funktioniert nur, wenn dort wirklich die Leute aktiv sind.
00:13:18: Martin Steiger: Genau.
00:13:18: Martin Steiger: Und ja, auch dort können natürlich Datenlecks passieren.
00:13:21: Martin Steiger: Aber lassen wir das und schauen weiter,
00:13:23: Martin Steiger: was wir noch haben.
00:13:24: Martin Steiger: Genau, kommen wir zu den beiden grösseren Geschichten.
00:13:28: Martin Steiger: Die erste Geschichte ist Publica,
00:13:30: Martin Steiger: also die Pensionskasse der Beamtinnen und Beamten beim Bund.
00:13:35: Martin Steiger: Da gab es eine Medienmitteilung am 8.
00:13:37: Martin Steiger: Oktober 2026 vom Bund selber, also auf admin.ch, mit dem Titel:
00:13:42: Martin Steiger: «Cyberangriff auf Softwarelieferant von Publica:
00:13:45: Martin Steiger: Datenabfluss bestätigt».
00:13:48: Martin Steiger: Da heisst es unter anderem: Ein externer Softwarelieferant der Pensionskasse des Bundes, Publica,
00:13:53: Martin Steiger: stellte Ende September einen Cyberangriff fest.
00:13:55: Martin Steiger: Das Unternehmen habe Strafanzeige erstattet,
00:13:58: Martin Steiger: alle relevanten Stellen beim Bund und Kundinnen und Kunden informiert.
00:14:03: Martin Steiger: Die Bundesanwaltschaft ermittelt.
00:14:05: Martin Steiger: Keine andere Bundesstelle habe Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen.
00:14:09: Martin Steiger: Und der Softwarelieferant, den kennt man unterdessen: Er heisst PK Softech.
00:14:13: Martin Steiger: Und den kennt man auch, weil sich andere betroffene Pensionskassen geoutet haben.
00:14:18: Martin Steiger: Ja, bei Publica hat man jetzt noch nicht so viel erfahren,
00:14:21: Martin Steiger: obwohl es eigentlich ein riesiger Fall ist.
00:14:23: Martin Steiger: Bei Pensionskassen bist Du auch nicht freiwillig Nutzerin oder Nutzer, sondern die hast Du einfach über die Arbeitgeberin oder den Arbeitgeber.
00:14:30: Martin Steiger: Und mich hat es mit dem Softwarelieferanten ein bisschen irritiert,
00:14:34: Martin Steiger: der dann Daten hat.
00:14:35: Martin Steiger: Aber Softwarelieferant hat eben mehr als eine Bedeutung.
00:14:38: Martin Steiger: Ein Softwarelieferant könnte jemand sein, der Dir Software liefert,
00:14:41: Martin Steiger: die Du selber betreibst.
00:14:42: Martin Steiger: Aber es kann natürlich auch ein Software-as-a-Service-Angebot sein,
00:14:46: Martin Steiger: eine Plattform oder so.
00:14:47: Martin Steiger: Und darum geht es da vermutlich.
00:14:49: Martin Steiger: Aber eben, die Informationslage ist noch etwas dürftig.
00:14:52: Martin Steiger: PK Softech hat auch ihre Website weitgehend offline genommen.
00:14:56: Martin Steiger: Also ganz viele Seiten.
00:14:56: Martin Steiger: Und jetzt: Error 404, die Seite ist nicht mehr vorhanden.
00:15:00: Martin Steiger: Ich vermute aber, die wollen jetzt vielleicht zum Beispiel ihr Team ein bisschen schützen.
00:15:04: Martin Steiger: Das ist natürlich verheerend.
00:15:06: Martin Steiger: Sie waren offenbar bislang ein sehr erfolgreicher kleiner Softwareanbieter in diesem Bereich.
00:15:11: Martin Steiger: Und jetzt fliegt ihnen das um die Ohren.
00:15:13: Martin Steiger: Und das Ganze weckt bei mir natürlich direkte Erinnerungen an Xplain.
00:15:17: Martin Steiger: Das war ein Schweizer Softwareanbieter,
00:15:19: Martin Steiger: der insbesondere für Sicherheitsbehörden gearbeitet hat,
00:15:22: Martin Steiger: bei dem aber auch die öffentliche Hand nie genau hingeschaut hat.
00:15:25: Martin Steiger: Und auch jetzt konnten wir in den Medien schon lesen, dass einige Pensionskassen gesagt haben,
00:15:29: Martin Steiger: nein, sie hätten ja nie einen Audit oder so gemacht.
00:15:31: Martin Steiger: Da kommt also immer wieder ein bisschen das Gleiche zum Vorschein.
00:15:35: Andreas Von Gunten: Ja.
00:15:36: Andreas Von Gunten: Du kennst meine Zweifel, die ich immer wieder habe, auch wenn es darum geht, zu behaupten oder zu beurteilen:
00:15:43: Andreas Von Gunten: Schweizer Firma,
00:15:45: Andreas Von Gunten: Schweizer Hosting, Schweizer Software,
00:15:47: Andreas Von Gunten: das sei viel sicherer als alles, was irgendwie im Ausland sein könnte.
00:15:52: Andreas Von Gunten: Für mich sind solche Fälle wie Xplain und andere
00:15:54: Andreas Von Gunten: immer wieder auch ein Gegenbeispiel,
00:15:56: Andreas Von Gunten: die einfach zeigen können: Hey,
00:15:57: Andreas Von Gunten: das ist einfach kein gutes Signal per se.
00:16:00: Andreas Von Gunten: Nur weil das eine Schweizer Softwarefirma mit Schweizer Hosting ist,
00:16:05: Andreas Von Gunten: heisst das noch lange nicht,
00:16:06: Andreas Von Gunten: dass Deine Daten dort so viel sicherer sind,
00:16:09: Andreas Von Gunten: als wenn sie irgendwo bei einem grösseren Cloud-Anbieter
00:16:13: Andreas Von Gunten: im Ausland sind. Es muss nicht einmal Amerika sein, aber selbst dort können sie sicherer sein.
00:16:18: Andreas Von Gunten: Und das finde ich halt immer wieder ein bisschen das Mühsame daran,
00:16:21: Andreas Von Gunten: dass man eigentlich
00:16:22: Andreas Von Gunten: bei der Beurteilung von Softwareprodukten nicht wirklich schaut:
00:16:24: Andreas Von Gunten: Ist es wirklich sicher im Rahmen
00:16:26: Andreas Von Gunten: dessen, was möglich ist? Sondern man glaubt einfach an den Mythos, dass es sicher besser ist,
00:16:32: Andreas Von Gunten: wenn ich die Person persönlich kenne,
00:16:34: Andreas Von Gunten: die den Server streichelt.
00:16:35: Andreas Von Gunten: Und da habe ich einfach
00:16:37: Andreas Von Gunten: ein bisschen meine Bedenken.
00:16:38: Andreas Von Gunten: Und ich ...
00:16:39: Andreas Von Gunten: Ich habe fast den Verdacht, dass es auch darauf hinausläuft,
00:16:42: Andreas Von Gunten: dass es von vielen kleinen Firmen einfach zu viel verlangt ist, dass sie das wirklich im Griff haben,
00:16:47: Andreas Von Gunten: vor allem, wenn es um ganz heikle Daten geht.
00:16:50: Martin Steiger: Ja.
00:16:50: Martin Steiger: Es ist noch schwierig zu sagen,
00:16:51: Martin Steiger: eben weil die Website auch weitgehend offline genommen worden ist.
00:16:55: Martin Steiger: Es ist einfach eindrücklich,
00:16:56: Martin Steiger: wenn wir jetzt einfach nach dem Lieferanten, also nach PK Softech,
00:16:59: Martin Steiger: googeln.
00:17:00: Martin Steiger: Da kommt jetzt eine Pensionskasse nach der anderen.
00:17:03: Martin Steiger: Und da ist es natürlich schon von den Daten her einigermassen dramatisch.
00:17:09: Martin Steiger: Einerseits reden wir da von Daten,
00:17:10: Martin Steiger: bei denen die meisten Leute finden, die müssten vielleicht nicht öffentlich sein.
00:17:13: Martin Steiger: Wie viel habe ich jetzt für das Alter gespart und wie hoch ist das Einkommen?
00:17:16: Martin Steiger: Und auch die ganzen Lebensverhältnisse sind ja dort drin.
00:17:19: Martin Steiger: Also dort stecken wirklich sehr viele brisante Daten drin.
00:17:22: Martin Steiger: Und neulich hat mich sogar ein Mandant darauf angesprochen,
00:17:26: Martin Steiger: der in sicherheitskritischen Bereichen unterwegs ist.
00:17:29: Martin Steiger: Er hat natürlich gesagt:
00:17:30: Martin Steiger: Wenn das da irgendwo raus ist,
00:17:32: Martin Steiger: ist das natürlich ein Traum für ausländische Geheimdienste oder für sonstige Gegner.
00:17:37: Martin Steiger: Weil Du musst davon ausgehen,
00:17:38: Martin Steiger: dass zum Beispiel auch Leute vom Schweizer Nachrichtendienst,
00:17:42: Martin Steiger: von Sicherheitsbehörden natürlich dort versichert sind.
00:17:44: Martin Steiger: In der Schweiz haben wir ja das Pensionskassenobligatorium.
00:17:47: Martin Steiger: Dort drin sind vielleicht auch Leute mit einer Tarnidentität und so weiter.
00:17:52: Martin Steiger: Das kann auch verheerend sein.
00:17:54: Martin Steiger: Man sagt jetzt immer, bei all diesen Angriffen sei noch nichts davon zu sehen,
00:17:57: Martin Steiger: dass es im Darknet auftaucht.
00:18:00: Martin Steiger: Aber die Daten sind irgendwo.
00:18:02: Martin Steiger: Man weiss eben nicht, was dann passiert.
00:18:05: Martin Steiger: Auch da wieder eine gewisse Ratlosigkeit.
00:18:07: Andreas Von Gunten: Ja.
00:18:08: Andreas Von Gunten: Ich bin auch ein wenig überfordert, muss ich fast sagen, mit der Vorstellung, dass es im Moment so wenig Aufschrei gibt.
00:18:15: Andreas Von Gunten: Also, was das anbelangt: Gefühlt ist das von all den Leaks, die wir hier aufgezählt und von denen wir gehört haben, schon der krasseste.
00:18:22: Andreas Von Gunten: Und es ist eigentlich,
00:18:23: Andreas Von Gunten: gefühlt, mehr oder weniger nichts passiert.
00:18:26: Andreas Von Gunten: Ich denke,
00:18:26: Andreas Von Gunten: es gibt die ...
00:18:28: Andreas Von Gunten: In den Medien,
00:18:29: Andreas Von Gunten: in der Community wird schon darüber diskutiert,
00:18:32: Andreas Von Gunten: das ist schon klar. Aber wenn ich mir vorstelle,
00:18:34: Andreas Von Gunten: das muss doch ein gefundenes Fressen sein
00:18:36: Andreas Von Gunten: für alle journalistisch tätigen Menschen in dem Bereich,
00:18:40: Andreas Von Gunten: wo man wirklich der Frage nachgehen muss: Was ist da eigentlich passiert?
00:18:43: Andreas Von Gunten: Und das auch kommentieren. Weil ich denke schon,
00:18:45: Andreas Von Gunten: das ist schon ein recht krasser Fall,
00:18:47: Andreas Von Gunten: wenn man sich überlegt, was für Daten da draussen sind.
00:18:50: Andreas Von Gunten: Im Vergleich zu vielen anderen, bei denen man sagen muss:
00:18:53: Andreas Von Gunten: Mühsam, aber nicht so schlimm. Aber das ist schon
00:18:55: Andreas Von Gunten: ein recht krasser Fall.
00:18:56: Andreas Von Gunten: Und ich kann mich nur
00:18:57: Andreas Von Gunten: an diese Mitteilungen erinnern, in denen einfach
00:18:59: Andreas Von Gunten: alles, was Du mir vorgelesen hast,
00:19:01: Andreas Von Gunten: beschrieben ist, was gemacht worden ist, und gut ist.
00:19:03: Andreas Von Gunten: Und das finde ich schon ein bisschen erstaunlich
00:19:05: Andreas Von Gunten: und auch nicht so richtig.
00:19:07: Andreas Von Gunten: Also ich hoffe schon, dass da noch ein bisschen mehr kommt.
00:19:09: Andreas Von Gunten: Eigentlich.
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