DAT397 «Wir hören Bewegungen im Raum» (Jonas Reber, QUMEA, Teil 2)

Shownotes

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Spezialgast Jonas Reber (QUMEA):

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Über die «Datenschutz-Plaudereien»

Rechtsanwalt Martin Steiger und Andreas Von Gunten, Co-Gründer von Datenschutzpartner, plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.

Impressum: https://www.datenschutzpartner.ch/impressum/

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00:00:00: Sprecher: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien. Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.

00:00:13: Jonas Reber: Sei dies Anonymität auf Systemebene bei QUMEA oder Anonymisierung im Nachgang.

00:00:19: Martin Steiger: Ist das eine technische Entscheidung? Sie haben von Wellen geredet, elektromagnetischen Wellen, Licht, Radar. Könnte man nicht ein Radar bauen, das dann wie eine Kamera funktioniert von der Auflösung her?

00:00:32: Jonas Reber: Das ist genau auch wieder wegen der Wellenlänge nicht möglich. Wir können extrem hochauflösende Antennen brauchen. Man kann sich das mit der Auflösung – es gibt verschiedene Arten von Auflösung.

00:00:42: Jonas Reber: Man hat die Winkelauflösung, man hat die Tiefenauflösung. Das kann man sich ähnlich vorstellen wie zum Beispiel bei den Augen. Das kennen wir ja alle: Unsere Augen sind dafür ausgelegt, dass wir eine gewisse Tiefeninformation rechnen können.

00:00:52: Jonas Reber: Das dreidimensionale Bild erstellen. Was die meisten Leute nicht wissen, ist, dass unsere 3D-Sicht nach ein paar Metern aufhört. Wenn wir in 200 Metern Distanz zwei Objekte sehen, dann kann unser Gehirn das zwar aus der Erfahrung von Schattenwürfen und so...

00:01:03: Jonas Reber: ...die Distanz auseinanderhalten, aber wir haben keine absolute Tiefeninformation mehr. Das kennt man vom Objektiv: Irgendwann ist es unscharf oder ist scharf und hat mehr Tiefenschärfe. Wenn wir jetzt unsere Augen weiter auseinandernehmen würden...

00:01:14: Jonas Reber: ...also das rechte und das linke Auge auf 20 Meter Distanz, hätten wir viel mehr, da ist die Apertur grösser. Das heisst, unsere Tiefenauflösung ist viel grösser, und Ähnliches kann man im Prinzip mit dem Radar machen.

00:00:00: Jonas Reber: Wir müssten ein extrem langes Radar machen und zwischendrin extrem viele Empfänger, weil es da immer noch auf die Wellenlänge ankommt, damit man Tiefeninformation gut haben kann.

00:00:00: Jonas Reber: Aber da haben wir immer noch das Problem der Wellenlänge. Die Wellenlänge, wo der Radar funktioniert, ist schlicht zu klein. Wir müssten wirklich in den Lichtbereich gehen, um Konturen sauber extrahieren zu können.

00:00:00: Jonas Reber: Da ist häufig die Frage – was wir bei QUMEA ja auch machen, ist, wir messen zum Beispiel die Brustkorbbewegung. Das ist auch eines der Features, die wir haben, dass wir kontinuierlich die Brustkorbbewegung messen können.

00:00:00: Jonas Reber: Brustkorbbewegung ist extrem hilfreich als Interpretationsmittel für, ich sage jetzt mal, wenn jemand schnauft, Brustkorbbewegung oder auch Mikrobewegungen der Haut, Hautbewegung, also das Blut, das pulsiert im Körper.

00:00:00: Jonas Reber: Das führt zu Bewegungen auf dem ganzen Körper, das sind Submillimeter. Und da fragt man sich, oder würde ich mich als Erstes fragen: Jetzt hat er doch gerade gesagt, unsere Wellenlänge ist fünf Millimeter, wie kann man da Bewegungen sehen im Submillimeterbereich?

00:00:00: Jonas Reber: Das macht doch gar keinen Sinn. Und das sind effektiv zwei verschiedene Phänomene. Das eine ist Bewegung, da geht es um die Wellenlänge, wie nah zusammen Objekte sein können, dass man sie noch auflösen kann.

00:00:00: Jonas Reber: Und das kann man sich am einfachsten vielleicht vorstellen, wenn man zum Beispiel zwei Murmeln, zwei Kugeln auf dem Tisch hat, die sagen wir fünf Millimeter gross sind, und die tut man sehr nah aneinander.

00:00:00: Jonas Reber: Und jetzt kommt man mit einem feinen Bleistift, fährt man so darüber, und dann spürt man, dass es zwischendrin abwärts geht. Wenn man jetzt den Bleistift kehrt, das ist wie die Auflösung von diesem Taster.

00:00:00: Jonas Reber: Und wenn man jetzt mit einem viel breiteren Objekt kommt – man kann schon nur den Bleistift kehren, der ist ja schon viel breiter auf der anderen Seite – oder mit einem Gummi genau über die gleichen Kugeln drüberfährt, dann merkt man fast nicht mehr, dass es abwärts geht.

00:00:00: Jonas Reber: Und das ist so ungefähr ähnlich mit der Auflösung der Wellenlänge. So finde ich das noch eine recht gute Analogie. Auf der anderen Seite ist jetzt aber die Bewegungsauflösung.

00:00:00: Jonas Reber: Und das funktioniert in der sogenannten Phase von einem Signal. Wir haben eine Welle, und die kann zu irgendeinem Zeitpunkt geschickt werden. Und wir kennen das von Frequenzverschiebungen von der Ambulanz zum Beispiel.

00:00:00: Jonas Reber: Das haben wir alle schon erlebt und immer noch faszinierend, dieser Doppler-Effekt, den man ja hört. Wenn die Ambulanz auf einen zufährt, dann werden die Wellen wie zueinander gestaucht.

00:00:00: Jonas Reber: Sagen wir, eine Ambulanz, die steht, die hat einen gewissen Ton. Jetzt fährt die auf einen zu, dann wird der Ton wie gestaucht. Und wenn die Welle gestaucht wird, dann wird die Frequenz höher, also der Ton, den wir hören, ist dann höher, als wenn sie stationär ist.

00:00:00: Jonas Reber: Und wenn sie von uns wegfährt, dann wird die Welle wie auseinandergezogen, und wir hören entsprechend einen tieferen Ton. Und das ist unabhängig von der Wellenlänge an sich.

00:00:00: Jonas Reber: Die Wellenlänge sagt ja höchstens, welche Frequenz man hört oder was die Frequenzveränderung ist. Und genau so funktioniert das beim Radar auch. Wir hören im – es ist weniger als sehen, man muss vielleicht beim Radar mehr ans Hören denken und nicht ans Sehen.

00:00:00: Jonas Reber: Wir hören im Prinzip Bewegungen im Raum, also die Frequenzverschiebungen. Das heisst aber auch, wenn sich im Raum nichts bewegt, dann habe ich bei der Kamera das gleiche Bild, währenddem ich beim Radar, wenn sich im Raum nichts bewegt, dann habe ich auch die Frequenzverschiebungen nicht, das heisst, ich höre nichts.

00:00:00: Martin Steiger: Ändert sich dann etwas, wenn man jetzt näher an den Patienten herangeht? Jonas Reber: Es ändert sich in dem Sinn etwas, dass man halt mehr Energie zurückgeworfen bekommt. Es ist immer so wie bei allen Kommunikationsmitteln.

00:00:00: Jonas Reber: Das hängt auch wieder mit der Frequenz zusammen. Je höher die Frequenz ist, also je kleiner die Wellenlänge ist, desto weniger weit kommt das Signal bei gleicher Sendeleistung.

00:00:00: Jonas Reber: Das heisst, wenn ich jetzt ein Signal bei 100 Megahertz habe – das kennen wir von früher vom FM-Radio – bei 100 Megahertz, das kommt relativ weit, und darum haben wir auch den Uetliberg und den Bantiger mit diesen grossen Antennen früher noch.

00:00:00: Jonas Reber: Langwellen haben funktioniert, die schaffen bei 100 Megahertz zum Beispiel. Und jetzt geht die Frequenz hoch, etwas, was wir alle kennen von zu Hause: 2,4 Gigahertz, Wi-Fi.

00:00:00: Jonas Reber: Da ist die Wellenlänge nur noch ungefähr so wie eine Handfläche. Und da sieht man schon den Unterschied. Früher hat man beim Radio die Antenne ausziehen müssen.

00:00:00: Jonas Reber: Und die Antennenlänge entspricht halt einem Viertel oder einer ganzen Wellenlänge. Und jetzt beim Wi-Fi zu Hause, alle, die einen Access Point oder einen Router haben, da sieht man auch wieder zum Teil die Antennen herausgucken.

00:00:00: Jonas Reber: Die bei diesen 2,4 Gigahertz ungefähr 12,5 Zentimeter lang sind. Das ist notabene auch – und das wissen viele vielleicht auch nicht – wenn man ein heutiges Telefon auseinandernimmt, iPhones oder Samsung-Telefone, da sieht man ja keine Antenne mehr.

00:00:00: Jonas Reber: Und alle, die mal ihr Handy anschauen ohne Hülle, werden sehen, dass es zum Teil so Schlitze im Handy drin hat. Und da kann man jetzt relativ gut messen zwischen diesen Schlitzen, das entspricht nämlich genau einer Wellenlänge, worauf das Telefon kommuniziert.

00:00:00: Jonas Reber: Das Gehäuse – und das ist eigentlich faszinierende Ingenieurskunst – das Gehäuse ist die Antenne. Das Gehäuse vom Gerät ist die Antenne. Und unser Radar funktioniert jetzt nicht bei 2,4 Gigahertz, der funktioniert bei 60 Gigahertz.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist auch wieder so ein Spektrum, das freigegeben ist. Es gibt so verschiedene Spektren, das Radiofrequenzspektrum ist ja aufgeteilt. Da kann nicht jeder irgendwo herumsenden, da kann man nicht einfach irgendwie seinen eigenen Radiosender auftun.

00:00:00: Jonas Reber: Militärfunk oder Flugzeugfunk – Flugzeugfunk ist ein gutes Beispiel – stören und da selber herumsenden. Das Band, das wir brauchen, ist bei 60 Gigahertz. Das ist ein freies Band.

00:00:00: Jonas Reber: Bei 60 Gigahertz haben wir aber das Problem, dass die Luftdämpfung, also der Free Space Loss, schon relativ gross ist. Das heisst, wir müssten bei gleicher Leistung, wenn wir die gleiche Leistung beim Empfänger bringen wollen, eigentlich viel stärker senden.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist auch noch so eine der Fragen, die ich häufig höre: Ist Radar überhaupt gefährlich? Muss ich mich da irgendwie schützen? Und da gibt es ja Schutzmethoden. Und da ist die Antwort eigentlich auch wissenschaftlich bestätigt: Nein.

00:00:00: Jonas Reber: Weil da spielt uns in die Hände, dass unsere Wellenlänge doch relativ klein ist bei diesen fünf Millimetern. Und das heisst, an der Oberfläche von einem Körper kann das nicht so weit hineinpenetrieren.

00:00:00: Jonas Reber: Das heisst, unsere Radarwellen, die gehen höchstens in die Epidermis, also die oberste Hautschicht, und dort wird etwa 40 Prozent oder so absorbiert in Wasser. Das heisst, das wird ein bisschen warm.

00:00:00: Jonas Reber: Es kann warm werden, wenn die Leistung entsprechend gross ist. Das heisst, es kann warm werden, wenn man nah zum Radar herangeht. Aber wenn man jetzt die Leistung, die wir brauchen, vergleicht mit einem normalen Wi-Fi, wie wir alle in der Hosentasche haben die ganze Zeit...

00:00:00: Jonas Reber: ...da ist schon nur die Sendeleistung von unserem Radar etwa 40-mal kleiner. Und wenn jetzt noch dieser Wellenlängeneffekt dazu kommt, indem die Dämpfung über die Luft halt kleiner ist, dann sind wir in einer 10-Meter-Distanz – ich habe das mal so schön simuliert...

00:00:00: Jonas Reber: ...in einer 10-Meter-Distanz, ein Wi-Fi-Access-Point und ein QUMEA-Radar, ist auf 10 Meter Distanz unser QUMEA-Radar ungefähr 23'000-mal kleiner, das Signal, das ankommt.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist schon mal vielleicht die Antwort auf die ursprüngliche Frage, nämlich: Ist es besser, wenn man näher herankommt? Und die Antwort ist: Ja, es kommt mehr Signal zurück. Es kommt mehr Signal zurück, das man im Radar drin verarbeiten kann.

00:00:00: Jonas Reber: Man hat aber so ein Field of View beim Radar, also ein Sichtfeld. Das ist auch wieder von der Antenne – Antennen sind auch Wellen, und wenn man so eine Welle anschaut, dann hat es rechts und links so Blind Spots.

00:00:00: Jonas Reber: Das heisst, ich sehe jetzt wieder oder ich höre mit dem Radar, der an der Decke hängt, halt nur so wie ein Zelt. Es ist wie ein Zelt, das nach unten kommt. Und wenn ich jetzt nah herangehe, dann kann das sein, dass ich aus diesem Zeltbereich herauskomme.

00:00:00: Jonas Reber: Und dass der Radar entsprechend wie blind ist oder taub ist auf dem Bereich. Darum ist das schon der Grund, wieso unser Radar an der Decke hängt, weil dort ist es ungefähr immer die gleiche Distanz, die wir technisch haben.

00:00:00: Jonas Reber: Plus von der Decke oben herab hat es viel weniger Occlusions, also Verdeckungen. Man hat in den Spitälern oft Paravents zwischen Patientenbetten.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist auch eine grosse Challenge von Kameras, wie gesagt, da muss man über jedem Patientenbett eine Kamera installieren, weil sobald der Paravent steht, sieht man nicht mehr hintendran. Und das ist noch einer der Vorteile von Radar.

00:00:00: Jonas Reber: Weil Radar gewisse Materialien penetrieren kann, also leichte Vorhänge, alles, was nicht viel Wasser drin hat. Der Körper ist eben ein guter Reflektor in dem Sinn, er absorbiert zwar, weil wir hauptsächlich aus Wasser bestehen.

00:00:00: Jonas Reber: Die Decken, die lassen relativ viel zu, was wieder Reflexionen oder eben Bewegungen zulässt. Und dort ist, glaube ich, auch ein grosser technischer Vorteil jetzt von Radar gegenüber Kameras, dass wir eben Bewegungen innerhalb von einer Messung haben.

00:00:00: Jonas Reber: Und nicht mehrere Bilder brauchen. Bilder sind immer statische Momentaufnahmen, und da braucht es immer zwei oder drei oder mehr Bilder, um Bewegungen zu erkennen. Da gibt es ja ganz super optische Flussmessmethoden, also Optical Flow-Messmethoden.

00:00:00: Jonas Reber: Wo man im Prinzip sieht, ob sich etwas bewegt. Wenn sich das aber in die Richtung vom Sichtfeld bewegt vor der Kamera, dann sieht man dort eben nichts. Und wenn sich etwas im Radarbereich in die Richtung vom Sichtfeld bewegt, sehen wir eben dank dieser Phasenmessung Bewegung.

00:00:00: Jonas Reber: Ich glaube, das ist der technisch massive Vorteil von Radar gegenüber Kameras. Martin Steiger: Ich habe zu meinem Erstaunen festgestellt, dass man diese Art von Sensoren sogar einfach so kaufen kann.

00:00:00: Martin Steiger: Also so ein Bastelprojekt – es gibt irgendwie diese Art von, also diese 60-Gigahertz-Sensoren, Radarsensoren gibt es irgendwie für Raspberry Pi und weitere Bastelprojekte.

00:00:00: Martin Steiger: Da bin ich jetzt ziemlich überrascht, aber ist noch spannend. Vielleicht ist jetzt jemand auf den Geschmack gekommen und sagt: Ich will das zu Hause mal nachbauen. Wenn wir jetzt dem nachgehen – wir haben jetzt immer nur über Radargeräte geredet.

00:00:00: Martin Steiger: Und ich stelle mir jetzt vor, das ist vielleicht so wie eine Art Rauchmelder, der an der Decke hängt, einfach das Gerät, das an der Decke hängt, vermutlich recht klein. Können Sie gerne gerade etwas dazu sagen, Herr Reber.

00:00:00: Martin Steiger: Und dann würde mich interessieren: Jetzt haben Sie diese Radardaten, irgendwie Rohdaten, und eben, Sie haben gesagt, wie genau man da sein kann, man kann offenbar eben auch auf die Atmung schliessen, auf den Herzschlag schliessen, je nachdem.

00:00:00: Martin Steiger: Wie wird das jetzt dann zu konkreten Daten, zu Ereignissen, die dann zum Beispiel ein Spital nutzen kann oder die einen Alarm auslösen? Irgendwie: Herr Steiger im Zimmer soundso ist jetzt vermutlich gerade aus dem Bett gefallen und braucht Hilfe.

00:00:00: Jonas Reber: Das mit diesen Radaren, das ist effektiv so, dank der Technik im Automobilbereich. Ich habe früher, wie ich vorhin gesagt habe, Vogelradar gebaut, wo man Vögel in ihrem Flug, in ihrer Flugspannweite, in ihrer Bewegung...

00:00:00: Jonas Reber: ...was ja auch wieder Bewegung ist – alles, was sich bewegt, ist halt mit Radar gut zu erkennen. Da kann man nachvollziehen, wie viele Vögel man zählen kann, man kann sagen, was für Typen von Vögeln das sind.

00:00:00: Jonas Reber: Aber das sind riesige Geräte, die da in den Himmel hinaufschauen, wie man das auch vom Flughafen kennt. Und die Miniaturisierung ist eigentlich nur dank der Automobilindustrie überhaupt möglich gewesen.

00:00:00: Jonas Reber: Da hat es riesige Volumina, darum hat man auch eine höhere Wellenlänge – die Radare für Vogelzählen und für Flugzeuge, die funktionieren alle bei sehr tiefen Frequenzen, eben weil sie weit sehen wollen.

00:00:00: Jonas Reber: Die Automobilindustrie hat eine Lösung gesucht für Ultraschall, also als Ultraschallergänzung. Ultraschall hat gewisse Nachteile: Wenn es regnet, funktioniert das nicht so gut, wenn sich andere Sachen bewegen, funktioniert das nicht so gut.

00:00:00: Jonas Reber: Es ist overpopulated, sage ich mal, dieser Frequenzbereich. Jedes Auto, das da die ganze Zeit seinen Ton auslässt, kann zur Verwirrung führen. Kameras sind zu komplex zum Prozessieren, weil sie extrem viele Daten generieren.

00:00:00: Jonas Reber: Da haben sich ein paar clevere Ingenieure darangesetzt und haben probiert, das Radar zu miniaturisieren. Und das ist dank der Volumina jetzt möglich geworden. Da gibt es Chipsets von den verschiedensten Herstellern, also alle namhaften grösseren Siliziumhersteller haben heutzutage so ein Radarportfolio.

00:00:00: Jonas Reber: Hat beim Automobil angefangen, ist dann weitergegangen zu Safety, Industrial Safety für Roboterarme, also dass eine automatische Abschaltung erfolgt, wenn ein Roboterarm jemandem dreinsteht.

00:00:00: Jonas Reber: Genau, wir sind dann gekommen und haben gesagt, das wäre ja cool, wenn man das im Patientenzimmer brauchen würde oder könnte, eben weil es nur Bewegung ist und keine Bilder. Und wie das grundsätzlich funktioniert, ist: Wir rechnen aus diesen Wellen, die man aussendet und wieder zurückbekommt...

00:00:00: Jonas Reber: ...rechnen wir mehr oder weniger als Erstes die Frequenzverschiebung. Also wir schauen: Hat sich irgendetwas bewegt? Und weil wir mehrere Antennen haben auf unserem System, können wir das wie triangulieren.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist wie bei den Ohren auch: Wenn man einen Ton hört, wenn man jetzt nur ein Ohr hätte, dann müsste man den Kopf drehen. Das ist das, was der Radar am Flughafen macht. Oder man hat zwei Ohren oder sogar mehr, wo man zuhören kann und sagen kann: Ungefähr aus dieser Richtung ist dieser Ton gekommen.

00:00:00: Jonas Reber: Und genau das Gleiche macht der Radar auch mit seinen mehreren Antennen. Das heisst, ich bekomme eine Bewegung, die reflektiert wird im Raum, und ich rechne als Erstes auf meinem Sensor, woher diese Bewegung gekommen ist.

00:00:00: Jonas Reber: Ich kann sagen, was für eine Distanz hat die gehabt, und ich kann sagen, was für eine Geschwindigkeitsveränderung, also welche Tonveränderung diese Bewegung gehabt hat. Und ich stelle das nachher als Bewegungspunkt dar.

00:00:00: Jonas Reber: Man kann sich so vorstellen: Wir haben ja ganz viele Bewegungen, und es sind ja nicht nur einzelne Töne, sondern von jeder Fläche – es sind nicht Objekte, es sind Flächen im Raum – bekomme ich Bewegung.

00:00:00: Jonas Reber: Und da rechne ich als Erstes auf dem Sensor so wie eine Punktwolke. Das heisst, ich habe eine gewisse Anzahl Punkte gerechnet. Das braucht relativ viel Processing Power, es sind ganz viele mathematische Rechnungen, die da passieren, bis man zu diesen Punkten kommt.

00:00:00: Jonas Reber: Und das ist alles, was unser Sensor an sich macht. Wir schicken diese Punkte nachher in unsere Cloud. Und dort wird als Erstes von mehreren Sensoren diese Punktwolke aggregiert, also zusammengesetzt.

00:00:00: Jonas Reber: Man kann sich das vorstellen: Man hat einen Raum, und wie ich vorher gesagt habe, der Radar sieht nicht zwingend gerade jede Ecke oder hört nicht zwingend jede Ecke. Es kann sein, dass wir in einem grossen Raum zwei oder drei Sensoren sogar aufgehängt haben.

00:00:00: Jonas Reber: Und da berechnen wir als Erstes diese Punkte wie auf eine Raumbene. Das heisst, wir haben alle Bewegungen, die in diesem Raum stattgefunden haben. Und da ist es nachher die Aufgabe von unserer Algorithmik, alle Sachen, die sich bewegt haben, die nicht relevant sind, herauszufiltern.

00:00:00: Jonas Reber: Weil das kann ja nur Verwirrung stiften. Ein typisches Beispiel sind im Sommer Ventilatoren oder Katzen, die in der Langzeitpflege halt oft auch Mitbewohner sind. Wir haben schon die verschiedensten Sachen: Das sind Beatmungsmaschinen, es gibt die verschiedensten Bewegungen im Raum.

00:00:00: Jonas Reber: Schon nur Wasserleitungen zum Beispiel, die unter dem Boden verlaufen, die zum Teil Bewegungen generieren können. Und da ist eben die erste Aufgabe der Algorithmen in der Cloud, diese Sachen zu isolieren von menschlichen Bewegungen.

00:00:00: Jonas Reber: Und das Gute ist: Alles Technische ist oft so ein bisschen repetitiv, hat Frequenzen oder gewisse Frequenzen. Der Ventilator dreht halt einfach mit der Frequenz, die er hat, er kann vielleicht noch den Kopf drehen, und dann gibt es wieder Modulationen.

00:00:00: Jonas Reber: Aber grundsätzlich sieht das Pattern sehr, sehr periodisch aus. Und Menschen sind zwar auch periodisch, wenn es um Atmung geht und Herzschlag und so, aber das ist wie in einem anderen Frequenzspektrum.

00:00:00: Jonas Reber: Das ist das, was unsere Ingenieure bei uns hauptsächlich machen. Ich sage immer: QUMEA ist eigentlich keine Hardware-Firma, sondern wir sind eine Software-Firma. Und wir haben ganz viel Zeit und Hirnschmalz darin investiert, die Algorithmen, die eben genau erkennen: Ist es ein Mensch, ist es kein Mensch, zu trainieren, zu finetunen...

00:00:00: Jonas Reber: ...damit wir die Aufgabe schlussendlich erfüllen können, die wir wollen. Und Genauigkeit, wie gesagt: Die Auflösung ist maximal fünf Millimeter. Effektiv hängt das von der Bandbreite auch wieder ab, die unser Radar aussendet.

00:00:00: Jonas Reber: Und da sind wir einerseits regulatorisch limitiert. Man kann nicht einfach mit 10 oder 100 Gigahertz Bandbreite ein Signal hinausschicken, weil es sonst alles andere stören würde. Abgesehen davon, dass es technisch auch noch recht schwierig wäre.

00:00:00: Jonas Reber: Also da gibt es Limitationen, die wir natürlich auch alle einhalten müssen oder wollen, was die Aussendebandbreite angeht. Und das heisst, diese Bandbreite definiert das. Das ist auch wieder zu vergleichen mit diesen zwei Kugeln, die ich vorher genannt habe.

00:00:00: Jonas Reber: Ob man einen dünnen Stift hat oder einen dicken, wenn man darüberfährt, das entspricht eigentlich der Bandbreite. Für eine richtig gute Auflösung will man eine hohe Bandbreite hinausschicken können. Das gibt auch mehr Genauigkeit.

00:00:00: Jonas Reber: Und für eine bessere Winkelauflösung will man eigentlich möglichst die Augen weit auseinanderhaben, also grosse Antennen haben mit vielen Aufnahmeelementen. Und das, was wir machen, ist so ein Trade-off zwischen Geschwindigkeitsauflösung, Distanzauflösung und zeitlicher Auflösung.

00:00:00: Jonas Reber: Und das ist so ein Trade-off, den wir halt situationsbedingt machen mit unseren Sensoren schlussendlich.

00:00:00: Sprecher: Haben dir die Datenschutz-Plaudereien gefallen? Wir freuen uns über deine Bewertung, deinen Kommentar oder deine Rückmeldung.

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