DAT396 Patientensicherheit mit Radar statt Videoüberwachung (Jonas Reber, QUMEA, Teil 1)
Shownotes
- Teil 2: Folgt!
Weblinks:
Spezialgast Jonas Reber (QUMEA):
- Jonas Reber (LinkedIn)
- Dr. sc. ETH Jonas Reber (ResearchGate)
- QUMEA – Digitales Mobilitäts-Monitoring für Patientensicherheit
- Whitepaper «Radar-Based Sensing vs. Camera-Based Vision in Healthcare – Why Physics Determines Privacy, Anonymity, and Data Protection» (QUEMA)
- DAT238 Anonymes Patienten-Monitoring mit Radar (Cyrill Gyger)
- DAT391 Smarte Uhren und smarte Brillen (Wearables)
- Interpellation 25.4663: Einsatz von Kameras in Spitälern, Altersheimen und Psychiatrien (Nationalrätin Min Li Marti)
- Kameras im Krankenzimmer – Zürcher Unispital führt KI-Überwachung ein, die in Frankreich verboten ist (Tages-Anzeiger)
- Spital filmt Patienten im Bett – Datenschützer sind empört («20 Minuten«)
Weiterführende Informationen:
- Radar und Sonar (Englischsprachige Wikipedia)
- Image Sensor und CMOS (Englischsprachige Wikipedia)
- Rayleigh-Kriterium (Deutschsprachige Wikipedia)
- Frequenz- und Wellenbereiche (Radartutorial)
- Ionisierende Strahlung und Nichtionisierende Strahlung (Deutschsprachige Wikipedia)
- Israel hat Videokameras in Teheran gehackt, um die iranische Führung zu töten (Neue Zürcher Zeitung, NZZ)
- Israel überwachte offenbar jahrelang Verkehrskameras in Teheran (SPIEGEL)
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Über die «Datenschutz-Plaudereien»
Rechtsanwalt Martin Steiger und Andreas Von Gunten, Co-Gründer von Datenschutzpartner, plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
Impressum: https://www.datenschutzpartner.ch/impressum/
Transkript anzeigen
00:00:01: Sprecher: Willkommen bei den «Datenschutz-Plaudereien».
00:00:04: Sprecher: Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
00:00:13: Martin Steiger: Guten Tag, mein Name ist Martin Steiger.
00:00:16: Martin Steiger: In den heutigen «Datenschutz-Plaudereien» nehmen wir ein Thema auf,
00:00:19: Martin Steiger: ein Thema aus Episode 238 vom 4. April 2024.
00:00:24: Martin Steiger: Damals war das Thema «Anonymes Patientenmonitoring mit Radar».
00:00:29: Martin Steiger: Mein Spezialgast damals war Cyrill Gyger, CEO und Mitgründer eines Schweizer Unternehmens namens QUMEA.
00:00:37: Martin Steiger: Heute nehmen wir das Thema noch einmal auf, um technisch etwas tiefer einzutauchen.
00:00:41: Martin Steiger: Vielleicht jetzt auch ein bisschen Deep Dive – mal schauen, was aus der Laienperspektive möglich ist.
00:00:47: Martin Steiger: In jedem Fall freue ich mich sehr, dass sich der heutige Spezialgast Jonas Reber Zeit nimmt für die Datenschutz-Plaudereien.
00:00:53: Martin Steiger: Er ist in erster Linie Chief Information and Innovation Officer von QUMEA.
00:00:58: Martin Steiger: Ich habe bei LinkedIn aber auch gesehen, dass Herr Reber ursprünglich einmal Elektroniker war bei Ascom.
00:01:04: Martin Steiger: Er hat aber auch einen Doktortitel von der ETH Zürich im Bereich der Magnetresonanz-Tomografie.
00:01:10: Martin Steiger: Herzlich willkommen, Herr Reber. Wer sind Sie, und was ist QUMEA?
00:01:14: Jonas Reber: Herzlichen Dank, dass Sie mich interviewen, Herr Steiger.
00:01:17: Jonas Reber: Genau, was ist QUMEA? Ich bin schon immer sehr technisch fasziniert gewesen.
00:01:22: Jonas Reber: Wer das schön erzählen will:
00:01:23: Jonas Reber: Schon als Elektroniker
00:01:24: Jonas Reber: habe ich plötzlich gemerkt,
00:01:26: Jonas Reber: dass mir Technik nähersteht.
00:01:28: Jonas Reber: Das klingt jetzt vielleicht blöd,
00:01:29: Jonas Reber: aber als Mensch
00:01:30: Jonas Reber: löse ich gerne Probleme,
00:01:32: Jonas Reber: technische Probleme.
00:01:32: Jonas Reber: Das hat mich nicht losgelassen,
00:01:34: Jonas Reber: bis ich schlussendlich
00:01:34: Jonas Reber: meine Situation
00:01:36: Jonas Reber: in der MRI-Welt gesehen habe.
00:01:38: Jonas Reber: Dort ist die Faszination,
00:01:39: Jonas Reber: Bilder zu machen
00:01:40: Jonas Reber: vom Inneren von Menschen.
00:01:42: Jonas Reber: Ich habe dann gefunden,
00:01:43: Jonas Reber: das ist extrem spannend,
00:01:45: Jonas Reber: all das Zeug,
00:01:46: Jonas Reber: das man nicht sieht,
00:01:47: Jonas Reber: in einen hineinzuschauen.
00:01:49: Jonas Reber: Und so bin ich auch zu QUMEA gekommen.
00:01:51: Jonas Reber: Da geht es nicht darum, in jemanden hineinzusehen, und es geht auch nicht darum, jemanden direkt zu sehen,
00:01:56: Jonas Reber: sondern einfach als zusätzlichen Sinn den Raum zu verstehen, wo sich etwas bewegt.
00:02:01: Jonas Reber: Genau so bin ich zu QUMEA gekommen, ursprünglich als CTO.
00:02:06: Jonas Reber: QUMEA ist ein Schweizer Medtech-Unternehmen mit Sitz in Solothurn.
00:02:10: Jonas Reber: Wir nennen uns nicht mehr Start-up, weil wir definitiv schon der Marktführer sind,
00:02:15: Jonas Reber: mittlerweile im Bereich Patientenmonitoring.
00:02:18: Jonas Reber: Und wir haben grundsätzlich das erste radarbasierte Mobilitätsmonitoring für Spitäler und Pflegeinstitutionen entwickelt.
00:02:26: Jonas Reber: Also ein System, das Stürze und Risikosituationen erkennt, aber ohne dabei Bilder oder Videos zu erzeugen.
00:02:35: Jonas Reber: Und wir sind immer fasziniert gewesen von dieser Technologie, vom Radar.
00:02:40: Jonas Reber: Und wir sind eigentlich mehr per Zufall auf das Patientenmonitoring gekommen mit einem Kollegen,
00:02:47: Jonas Reber: der im Felix Platter leitender Arzt ist,
00:02:49: Jonas Reber: und der uns auf das Problem der Stürze,
00:02:51: Jonas Reber: die es in den Spitälern doch extrem oft gibt,
00:02:55: Jonas Reber: hingewiesen hat.
00:02:56: Jonas Reber: Darum haben wir das QUMEA-System auch schon von Anfang an
00:02:58: Jonas Reber: sehr eng entwickelt und zusammengearbeitet
00:03:00: Jonas Reber: mit der Universitären Altersmedizin Felix Platter.
00:03:03: Jonas Reber: Natürlich sogar mit Einbezug des Datenschutzbeauftragten
00:03:08: Jonas Reber: des entsprechenden Kantons entwickelt.
00:03:10: Jonas Reber: Ich habe ja gesagt,
00:03:12: Jonas Reber: QUMEA ist heute in über 150 Spitälern in Europa installiert.
00:03:16: Jonas Reber: Das ist vor allem in der Schweiz, aber auch in Deutschland, Österreich und in ganz vielen skandinavischen Ländern, vorab in Schweden.
00:03:24: Jonas Reber: Ja, wir haben das Glück gehabt, dass in mehreren wissenschaftlichen Studien klinisch validiert gezeigt wurde, dass das, was wir machen, effektiv hilft.
00:03:33: Martin Steiger: Es ist natürlich gut, wenn man kein ewiges Start-up ist, sondern im Gegenteil ein Marktführer.
00:03:38: Martin Steiger: Ich habe auch auf Ihrer Website Beispiele gesehen aus der Schweiz.
00:03:41: Martin Steiger: Wir haben auf ein paar aufgeschrieben, es sind noch viel mehr.
00:03:44: Martin Steiger: Aufgeschrieben haben wir Balgrist Universitätsklinik,
00:03:46: Martin Steiger: Zuger Kantonsspital, Universitätsspital Basel,
00:03:50: Martin Steiger: Schulthess Klinik – also alles sehr bekannte Namen, zumindest für mich.
00:03:54: Martin Steiger: Aber was mich jetzt noch interessiert:
00:03:55: Martin Steiger: Wenn ich jetzt Patientin oder Patient bin,
00:03:58: Martin Steiger: in einem Spital, das QUMEA einsetzt,
00:04:01: Martin Steiger: wie begegnet mir das dann?
00:04:03: Martin Steiger: Also, einmal angefangen damit: Wie kommt es zu den erwähnten Stürzen
00:04:08: Martin Steiger: oder vielleicht auch anderen Ereignissen,
00:04:09: Martin Steiger: die QUMEA dann mit dem Monitoring erfassen kann?
00:04:13: Jonas Reber: Grundsätzlich ist unser Ziel als QUMEA, möglichst auf anonymer Seite,
00:04:19: Jonas Reber: komplett anonymer Seite, wie so ein Schutzengel im Hintergrund zu agieren.
00:04:23: Jonas Reber: Also dass wir natürlich rein Bewegungen monitorisieren,
00:04:27: Jonas Reber: also nur schauen, was sich da im Raum bewegt, und probieren,
00:04:30: Jonas Reber: die Pflege zu entlasten, indem wir möglichst Gefahrensituationen,
00:04:35: Jonas Reber: wie wenn eine sturzgefährdete Person versucht, das Bett zu verlassen,
00:04:39: Jonas Reber: erkennen und entsprechend eine Warnung schicken können,
00:04:42: Jonas Reber: dass man zum Beispiel zu diesem Patienten oder zu dieser Patientin gehen kann
00:04:45: Jonas Reber: und sie in den Rollstuhl oder auf die Toilette begleiten kann.
00:04:48: Jonas Reber: Aber die Situationen sind extrem divers.
00:04:51: Jonas Reber: Das kann körperlicher Natur sein, dass man physisch nicht mehr kann,
00:04:55: Jonas Reber: dass man einfach Kraft verliert, dass man psychisch angeschlagen oder disorientiert ist.
00:05:01: Jonas Reber: Welche Situation dazu führt, dass es zu Stürzen kommen kann,
00:05:05: Jonas Reber: das ist für uns gar nicht einmal so wichtig,
00:05:07: Jonas Reber: weil wir schlussendlich einfach Bewegungen und Bewegungsmuster anschauen,
00:05:11: Jonas Reber: die vor einem Sturz – jetzt konkret einem Sturz – schon auf etwas schliessen lassen.
00:05:16: Jonas Reber:
00:05:19: Jonas Reber: Genau darum betrifft das grundsätzlich schon eher
00:05:23: Jonas Reber: ältere Personen, die sturzgefährdet werden, weil der Körper weniger Kraft hat,
00:05:29: Jonas Reber: wenn man eher Verwirrtheitszustände antrifft.
00:05:32: Jonas Reber: Es gibt natürlich auch jüngere Patienten, aber das sind unsere primären Gruppen.
00:05:35: Jonas Reber: Es sind eher Altersgeriatrie oder postoperative Themen,
00:05:40: Jonas Reber: als jetzt allgemeine Abteilungen,
00:05:43: Jonas Reber: obwohl man auch dort Installationen hat.
00:05:45: Jonas Reber: Weil dort normalerweise das Staffing,
00:05:48: Jonas Reber: also dort hat es einfach zu wenig Personal,
00:05:50: Jonas Reber: um zu diesen Leuten zu schauen.
00:05:52: Jonas Reber: Und das ist dort, wo wir einen grossen Mehrwert
00:05:54: Jonas Reber: bieten können mit unserem System.
00:05:55: Jonas Reber: Dass man einfach sagen kann: Ich als Pflege,
00:05:58: Jonas Reber: ich habe jetzt nicht Sorge, etwas zu verpassen,
00:06:00: Jonas Reber: aber ich kann mich auf das Wesentliche fokussieren.
00:06:02: Jonas Reber: Ich habe die Patientenpflege,
00:06:04: Jonas Reber: ich kann die Zeit, die ich habe, bei den Patienten einsetzen, die gerade Hilfe brauchen.
00:06:08: Jonas Reber: Und ich weiss trotzdem, da ist QUMEA in der Nähe, und ein Patient, der nicht dabei ist,
00:06:14: Jonas Reber: ist trotzdem überwacht, und wenn etwas passiert, kann ich darauf reagieren.
00:06:18: Martin Steiger: Genau, also QUMEA ist natürlich auch ein Angebot, wenn ich es richtig verstehe, das Menschen ersetzt.
00:06:25: Martin Steiger: Also traditionell hat man vielleicht regelmässig ins Zimmer geschaut:
00:06:29: Martin Steiger: Ist die Patientin noch im Bett, oder geht es der Person gut?
00:06:33: Martin Steiger: Man hat vielleicht je nach Einschätzung sogar ein Zimmer bewacht.
00:06:36: Martin Steiger: Also ist ein Mensch in dem Zimmer gesessen oder vielleicht im Bereich von mehreren Zimmern.
00:06:40: Martin Steiger: Also man hat das mit Menschen abgedeckt, nach meinem Verständnis.
00:06:43: Martin Steiger: Und eben, Sie haben es gesagt: Heute wird man es vielleicht nicht mehr mit Menschen machen,
00:06:45: Martin Steiger: weil man die Menschen, die in dem Bereich noch arbeiten, zielführend einsetzen kann.
00:06:49: Martin Steiger: Dann gibt es eine Lösung wie QUMEA.
00:06:51: Martin Steiger: Sie haben aber auch gesagt, Sie sind Marktführer.
00:06:53: Martin Steiger: Marktführer bedeutet, es muss mindestens noch einen Konkurrenten geben.
00:06:58: Martin Steiger: Wie sieht denn dieser Markt aus?
00:07:00: Martin Steiger: Sie schreiben auf Ihrer Website eigentlich einen Claim:
00:07:04: Martin Steiger: «Digitales Mobilitätsmonitoring für Patientensicherheit».
00:07:07: Martin Steiger: Was macht denn der restliche Markt? Was macht Ihre Konkurrenz?
00:07:10: Martin Steiger: Ja, genau. Vielleicht nur noch ein Satz.
00:07:12: Jonas Reber: Die Intention von QUMEA ist auf keinen Fall, dass wir die Leute ersetzen.
00:07:16: Jonas Reber: Wir wollen, dass die Leute die Zeit, die sie haben, effizient einsetzen können.
00:07:20: Jonas Reber: Also dort einsetzen, wo sie schlussendlich auch ihre Berufung haben.
00:07:23: Jonas Reber: Eine Pflegeperson will pflegen, und sie will sich nicht um Dokumentation kümmern.
00:07:27: Jonas Reber: Sie will sich nicht darum kümmern, stundenlang im Gang herumzulaufen,
00:07:31: Jonas Reber: weil Pflegende die Freude an ihrer Arbeit darin finden, dass sie pflegen.
00:07:36: Jonas Reber: Und das sollen sie machen und sich nicht damit beschäftigen,
00:07:39: Jonas Reber: Abläufe abzuarbeiten, die bisher traditionell eher nötig gewesen sind.
00:07:45: Jonas Reber: Aber natürlich, es gibt verschiedene Lösungsansätze,
00:07:48: Jonas Reber: wie man Leute überwacht oder monitorisiert.
00:07:52: Jonas Reber: Im Spital – das fängt bei einfachen
00:07:55: Jonas Reber: Wearables an, wo man
00:07:56: Jonas Reber: Blutdruck und Puls – und das kennen wir alle
00:07:58: Jonas Reber: von diesen Smartwatches,
00:08:00: Jonas Reber: die mittlerweile recht prominent
00:08:02: Jonas Reber: sind. Das geht bis zu
00:08:04: Jonas Reber: Sensormatten, die man entweder auf den Boden legt,
00:08:06: Jonas Reber: wenn man daraufsteht, gibt es Alarm – das sind
00:08:08: Jonas Reber: ganz primitive – oder Sensormatten,
00:08:10: Jonas Reber: die im Bett eingebaut sind. Es gibt
00:08:13: Jonas Reber: Bewegungssensoren,
00:08:14: Jonas Reber: Geschwindigkeits- und Beschleunigungssensoren,
00:08:16: Jonas Reber: die man entweder am Bett anbringt.
00:08:18: Jonas Reber: Das geht bis zu
00:08:20: Jonas Reber: Raumsensorik, und dort verorten wir uns als QUMEA.
00:08:23: Jonas Reber: Also wir sind der Meinung, dass der Aufwand zum Beispiel relativ gross ist
00:08:27: Jonas Reber: bei Wearables – die muss man aufladen, die muss man sterilisieren für den nächsten Patienten,
00:08:33: Jonas Reber: die sind relativ oft auch kaputt.
00:08:35: Jonas Reber: Also der Maintenance-Aufwand dort ist recht hoch. Ich sage nicht, die sind schlecht.
00:08:38: Jonas Reber: Da gibt es sehr gute Einsätze auch.
00:08:41: Jonas Reber: Wir als QUMEA verstehen uns eher in der Raumüberwachung,
00:08:44: Jonas Reber: und Raumüberwachung ist natürlich auf den ersten Blick,
00:08:46: Jonas Reber: wenn ich ehrlich bin, logischerweise eine Kamera.
00:08:50: Jonas Reber: Also die Kamera ist perfekt, um den Raum zu überwachen, gerade wenn ich die Vorhänge auch noch herumhängen habe.
00:08:58: Jonas Reber: Entsprechend muss man mehrere Kameras installieren.
00:09:01: Jonas Reber: Aber grundsätzlich ist die Kamera wahrscheinlich unsere Hauptkonkurrenz, würde ich sagen.
00:09:07: Jonas Reber: Und die sind auch super. Also wenn man mit der Kamera sieht, sieht man alles.
00:09:10: Jonas Reber: Da sehe ich den Patienten, wie er gerade am Rennen ist oder sich gerade die Wäsche macht, bis zu Besuchern oder natürlich auch Pflegepersonen, die ihre Arbeit erledigen.
00:09:22: Jonas Reber: Und da ist es uns ein grosses Anliegen, dass man sagt: Die Information, die eine Kamera erfasst, ist gar nicht nötig, um den Job zu erledigen,
00:09:33: Jonas Reber: nämlich Leute zu informieren, wenn sie zu einer kritischen Situation kommen sollen.
00:09:38: Jonas Reber: Und genau das ist unser Steckenpferd,
00:09:40: Jonas Reber: das uns schlussendlich von Kamerasystemen unterscheidet.
00:09:44: Jonas Reber: Ich persönlich würde auch sagen: Wenn ich so ein System bauen würde,
00:09:47: Jonas Reber: dann wäre da eine Kamera drin, und dann wäre es relativ einfach,
00:09:50: Jonas Reber: mit heutigen Systemen, mit heutigen KI-Modellen, genau das zu erreichen,
00:09:55: Jonas Reber: was man will.
00:09:56: Jonas Reber: Aber da hat man auch das Problem, dass extrem viele zusätzliche Daten
00:10:30: Jonas Reber: … Angst hat vor einem MRI, aber das ist
00:10:32: Jonas Reber: manchmal gar nicht unbedingt nötig.
00:10:34: Jonas Reber: Und da sind wir schon eher
00:10:36: Jonas Reber: darauf bedacht,
00:10:38: Jonas Reber: dass
00:10:40: Jonas Reber: man sagt,
00:10:42: Jonas Reber: es ist zum Teil gar nicht nötig,
00:10:44: Jonas Reber: mit so hochinvasiven
00:10:46: Jonas Reber: Kameras Aufgaben zu erledigen,
00:10:48: Jonas Reber: die wir bei QUMEA bieten.
00:10:50: Jonas Reber: Das ist schon ein bisschen vergleichbar
00:10:51: Jonas Reber: mit einer Intensivstation.
00:10:53: Jonas Reber: Da ist man an jeder Ecke verkabelt,
00:10:55: Jonas Reber: da wird man dauernd überwacht,
00:10:58: Jonas Reber: was ja auch gut ist, und zum Glück gibt es
00:11:00: Jonas Reber: Intensivstationen, aber nachher gibt es eher die Allgemeinstation, wo man dann mehrere Stunden, mehrere Tage verbringt,
00:11:29: Jonas Reber: worauf
00:11:30: Jonas Reber: einerseits der Bewohner oder der Patient,
00:11:32: Jonas Reber: andererseits aber auch die Pflegenden, inklusive Ärzte oder Besucher,
00:11:37: Jonas Reber: nonstop gefilmt würden.
00:11:38: Martin Steiger: Ich kann das gut nachvollziehen.
00:11:40: Martin Steiger: Ich glaube, in dieser Situation ist es eh schon sehr unangenehm.
00:11:43: Martin Steiger: Man ist dem Ganzen eh schon ausgeliefert,
00:11:45: Martin Steiger: muss sich viel gefallen lassen, muss Abstriche machen,
00:11:48: Martin Steiger: erhebliche Einbussen bei der Privatsphäre oder bei der Selbstbestimmung.
00:11:53: Martin Steiger: Zwangsläufig.
00:11:54: Martin Steiger: Man ist froh darum, wenn man medizinisch betreut wird.
00:11:56: Martin Steiger: Aber ich würde mir vorstellen, ich wäre in so einem Patientenzimmer,
00:11:59: Martin Steiger: dann sähe ich noch irgendeine Kamera an der Decke.
00:12:02: Martin Steiger: Dann fände ich das vermutlich nicht so lustig.
00:12:04: Martin Steiger: Man hat es auch in letzter Zeit ab und zu in den Medien
00:12:06: Martin Steiger: lesen können. Das ist auch ein Thema, dass es da
00:12:08: Martin Steiger: verschiedene Systeme gibt. Es ist zum Teil auch kritisiert
00:12:10: Martin Steiger: worden, dass da Videokameras
00:12:12: Martin Steiger: in den Spitälern zum Einsatz kommen.
00:12:14: Martin Steiger: Damit man sich das ein bisschen vorstellen kann,
00:12:16: Martin Steiger: was dann auch der Unterschied ist, glaube ich,
00:12:18: Martin Steiger: müssen wir wirklich einmal beim Radar,
00:12:20: Martin Steiger: das Sie verwenden, einsteigen, wie das funktioniert.
00:12:22: Martin Steiger: Weil aus Laien-Sicht
00:12:24: Martin Steiger: kennen wir vielleicht das Radar aus der Luftfahrt.
00:12:26: Martin Steiger: Man weiss, man gibt es für die Flugsicherung.
00:12:27: Martin Steiger: Man weiss vielleicht noch, die haben Primär- und Sekundärradar.
00:12:29: Martin Steiger: Radar in der Schifffahrt gibt es natürlich
00:12:32: Martin Steiger: auch. Dann im Strassenverkehr
00:12:34: Martin Steiger: kennt man es vielleicht auch,
00:12:36: Martin Steiger: für Geschwindigkeitskontrollen, vielleicht auch
00:12:38: Martin Steiger: was in den Fahrzeugen zum Teil eingebaut ist,
00:12:40: Martin Steiger: je nachdem. Aber ich glaube,
00:12:42: Martin Steiger: das ist es dann etwa auch.
00:12:45: Martin Steiger: Wie funktioniert
00:12:45: Martin Steiger: das dann wirklich auch konkret technisch
00:12:47: Martin Steiger: mit Ihrem Radar in den Spitalzimmern?
00:12:50: Martin Steiger: Also, angefangen damit:
00:12:51: Martin Steiger: Irgendwo muss ja das Radar
00:12:53: Martin Steiger: angebracht sein, damit es überhaupt
00:12:56: Martin Steiger: die Daten, die Sie brauchen,
00:12:57: Martin Steiger: erfassen kann. Ja, genau.
00:12:59: Jonas Reber: Wenn man so eine Kamera an der Decke sieht, ist wahrscheinlich auch wissenschaftlich nachgewiesen worden,
00:13:05: Jonas Reber: dass es so delirante Zustände wieder geben kann.
00:13:08: Jonas Reber: Also da bin ich völlig einverstanden.
00:13:09: Jonas Reber: Das fände ich jetzt auch nicht so toll, wenn man da ein blinkendes Licht die ganze Zeit auf sich gerichtet sieht
00:13:14: Jonas Reber: und man nie weiss, ob man gerade unter Beobachtung ist oder nicht.
00:13:19: Jonas Reber: Genau aus diesem Grund mögen wir Radar, und ich würde das sehr gerne erklären.
00:13:24: Jonas Reber: Radar ist im Prinzip, kann man sich so vorstellen, wie ein Sonar.
00:13:29: Jonas Reber: Also das physikalische Prinzip von: Ich schicke ein Signal aus, und dann bekomme ich etwas zurück.
00:13:34: Jonas Reber: Wie man das von den Fledermäusen kennt, für die Orientierung, oder vom U-Boot oder vom Auto,
00:13:38: Jonas Reber: wenn man rückwärts parkiert – das ist alles mit Ultraschall,
00:13:41: Jonas Reber: also mit einem physikalischen Medium, in dem sich die Wellen ausbreiten können.
00:13:45: Jonas Reber: Das ist einfach wie Kugeln, die einander im Wasser treffen.
00:13:49: Jonas Reber: Radar funktioniert aber im elektromagnetischen Spektrum.
00:13:52: Jonas Reber: Das ist im weitesten Sinne Licht auch.
00:13:54: Jonas Reber: Man kann sogar von Photonen reden.
00:13:56: Jonas Reber: Es ist immer ein
00:13:58: Jonas Reber: Teilchen oder eine Welle. Es ist immer die Frage,
00:14:00: Jonas Reber: wie man es anschaut.
00:14:02: Jonas Reber: Grundsätzlich beides. Wir kennen
00:14:05: Jonas Reber: Wellen im ganzen Bereich
00:14:06: Jonas Reber: unseres Lebens. Das brauchen wir
00:14:08: Jonas Reber: für Wärme. Das brauchen Bäume,
00:14:10: Jonas Reber: um unseren Sauerstoff
00:14:12: Jonas Reber: aus dem CO2 zu generieren.
00:14:14: Jonas Reber: Das geht bis zu Röntgenstrahlen,
00:14:16: Jonas Reber: die voll durch den Körper schiessen.
00:14:19: Jonas Reber: Es sind immer elektromagnetische
00:14:21: Jonas Reber: Wellen, aber es kommt natürlich extrem darauf an,
00:14:22: Jonas Reber: erstens, welche Wellenlänge die elektromagnetischen Wellen haben, und welche Stärke – also mit welcher Power – das Ganze ausgesendet wird.
00:14:31: Jonas Reber: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen nicht ionisierender und ionisierender Strahlung.
00:14:36: Jonas Reber: Ionisierende Strahlung, also ionisierende Wellen, das sind die, bei denen die Wellenlänge in den Bereich von Molekülen oder Atomen kommt,
00:14:43: Jonas Reber: also wo effektiv die Energie – das kann man sich vorstellen, das ist wirklich wie eine Welle, wenn man sie zeichnet –
00:14:48: Jonas Reber: so klein wird, dass sie eben mit Materie interagieren kann,
00:14:53: Jonas Reber: im Sinne von: Elektronen kann sie aus der Atombahn werfen.
00:14:57: Jonas Reber: Und das ist dann die gefährliche, die ionisierende Strahlung.
00:15:01: Jonas Reber: Das Licht, das wir kennen, oder auch die Temperatur, die Wärme,
00:15:05: Jonas Reber: die wir von der Sonne kennen – Wärme grundsätzlich –, das ist wahrscheinlich etwas Angenehmes und Nötiges.
00:15:11: Jonas Reber: Und dort sind wir mit der Radarwelle viel weiter unten in der Wellenlänge als beim Licht.
00:15:16: Jonas Reber: Und das ist eigentlich auch die Hauptunterscheidung.
00:15:19: Jonas Reber: Es gibt in der Physik eine Wellentheorie, wo man sagt, das ist das Rayleigh-Kriterium,
00:15:25: Jonas Reber: wo man eigentlich sagt, dass man nur Objekte auflösen kann,
00:15:29: Jonas Reber: mit einer Wellenlänge kleiner als das Objekt.
00:15:32: Jonas Reber: Und jetzt bei uns, wenn man weiss, die Wellenlänge der Augen liegt im 500- bis 600-Nanometer-Bereich,
00:15:39: Jonas Reber: das heisst, wir könnten theoretisch mit unseren Augen, mit dem Licht,
00:15:42: Jonas Reber: das machen wir auch mit dem Mikroskop,
00:15:44: Jonas Reber: im 500- oder ja Sub-
00:15:47: Jonas Reber: Mikrometer-Bereich auflösen.
00:15:49: Jonas Reber: Aber auch dort haben wir das Limit.
00:15:51: Jonas Reber: Wir können mit einem Lichtmikroskop
00:15:53: Jonas Reber: nicht kleinere Sachen anschauen.
00:15:54: Jonas Reber: Ich habe zum Beispiel kein Nanometer
00:15:57: Jonas Reber: gesehen, weil die Wellenlänge
00:15:59: Jonas Reber: des Lichts klein ist.
00:16:00: Jonas Reber: Das ist genau das Gleiche wie mit dem Radar.
00:16:03: Jonas Reber: Das Radar, das wir brauchen,
00:16:04: Jonas Reber: ist um die 5 Millimeter gross.
00:16:07: Jonas Reber: Also so wie ein Fingerbeeri
00:16:09: Jonas Reber: vom kleinen Finger. Das ist ungefähr
00:16:10: Jonas Reber: die Wellenlänge, mit der wir operieren.
00:16:12: Jonas Reber: Das heisst, wir können physikalisch nichts auflösen, was kleiner ist als das.
00:16:18: Jonas Reber: Das heisst, wir können keine Gesichtszüge erkennen, wir können ungefähr,
00:16:21: Jonas Reber: also wie einen verschmierten Körper theoretisch, sagen wir einmal,
00:16:25: Jonas Reber: theoretisch – wir sind immer noch in der Theorie, noch nicht beim Radar, das wir effektiv verwenden –
00:16:29: Jonas Reber: wir können es physikalisch nicht auflösen.
00:16:33: Jonas Reber: Das ist echt der grosse Unterschied.
00:16:34: Jonas Reber: Also das, was wir bei QUMEA machen, ist: Wir nehmen auch absichtlich wieder den härteren Weg
00:16:38: Jonas Reber: und sagen, wir wollen gar nicht erst etwas aufnehmen, womit man eine Person identifizieren kann,
00:16:45: Jonas Reber: wo man sagen kann: Ist das ein Mann oder eine Frau, ist sie schwarz oder weiss, ist sie fettleibig oder nicht, was auch immer.
00:16:51: Jonas Reber: Das können wir rein physikalisch gar nicht auflösen, während man das mit Kameras natürlich kann.
00:16:57: Jonas Reber: Eine Kamera ist immer zuerst – ich meine jetzt so einen CMOS-Sensor, das ist auch das, was unsere Konkurrenten sagen –
00:17:04: Jonas Reber: Sie reden nicht von Kameras,
00:17:06: Jonas Reber: sie reden von Sensoren.
00:17:08: Jonas Reber: Das sind halt Lichtsensoren.
00:17:09: Jonas Reber: Und ein Lichtsensor ist eine Kamera.
00:17:10: Jonas Reber: Und da kann man das entsprechend so benennen,
00:17:13: Jonas Reber: was ja auch korrekt ist.
00:17:14: Jonas Reber: Das ist ein bisschen schwieriger für die Leute zu verstehen,
00:17:17: Jonas Reber: wenn man direkt von Kamera redet.
00:17:18: Jonas Reber: Was eine Kamera macht, ist, sie nimmt Photonen,
00:17:21: Jonas Reber: zählt sie auf einer gewissen Wellenlänge.
00:17:23: Jonas Reber: Die macht dann ein hochauflösendes Bild.
00:17:26: Jonas Reber: Man kennt das ja vom Handy oder von den Kameras.
00:17:29: Jonas Reber: Das ist vielleicht immer so: Je mehr Megapixel,
00:17:31: Jonas Reber: desto besser, schärfer das Bild ist.
00:18:03: Jonas Reber: Das muss verarbeitet und zum Teil
00:18:06: Jonas Reber: zwischengespeichert werden. Also ich würde eher das Bild
00:18:07: Jonas Reber: aktiv anonymisieren, also ich nehme
00:18:09: Jonas Reber: Daten heraus, ich probiere,
00:18:11: Jonas Reber: möglichst alles wegzumachen, was irgendwie
00:18:14: Jonas Reber: intrusiv sein könnte,
00:18:15: Jonas Reber: auf Personen rückschliessen lässt.
00:18:17: Jonas Reber: Das kann ich alles machen. Das ist auch das, was andere
00:18:19: Jonas Reber: Systeme korrekterweise machen,
00:18:22: Jonas Reber: hoffentlich. Also das ist wie so
00:18:23: Jonas Reber: ein Versprechen, sagen wir mal.
00:18:25: Jonas Reber: Man sagt, wir nehmen Bilder auf,
00:18:27: Jonas Reber: wir würden die aber so komplett
00:18:29: Jonas Reber: anonymisieren, dass nur noch die wichtigen
00:18:31: Jonas Reber: Metainformationen – eben die Position
00:18:33: Jonas Reber: oder die Körperhaltung einer Person – an ein externes System geschickt werden.
00:18:38: Jonas Reber: Das ist aber, wie gesagt, einfach ein Versprechen.
00:18:41: Jonas Reber: Das heisst nicht, dass das wirklich so sein muss.
00:18:44: Jonas Reber: Und wenn wir jetzt gerade in letzter Zeit gelesen haben, wie im Iran,
00:18:49: Jonas Reber: also wie zum Beispiel im Krieg, effektiv Kameradaten von verschiedensten Herstellern …
00:18:55: Jonas Reber: Das ist halt einfach bei vernetzten Systemen so.
00:18:58: Jonas Reber: Sobald sie vernetzt sind, gibt es sehr wahrscheinlich Zugriffsmöglichkeiten.
00:19:04: Jonas Reber: Und jetzt gerade mit der KI-Welle, von der wir alle profitieren und die wir erleben,
00:19:09: Jonas Reber: positiv und negativ, wird das noch viel einfacher, auf solche Systeme zuzugreifen.
00:19:14: Jonas Reber: Und da sagen wir oder positionieren wir uns als QUMEA eben genau so:
00:19:18: Jonas Reber: Wenn du in einem System die Daten aufgenommen hast, dann sind sie irgendwie vorhanden.
00:19:22: Jonas Reber: Und wir als QUMEA sagen: Die Daten sind gar nicht erst aufgenommen worden.
00:19:27: Jonas Reber: Also wenn man etwas mal null rechnet, dann ist es einfach nicht vorhanden.
00:19:32: Jonas Reber: Das heisst, wir haben lieber ein System, bei dem wir beweisen können, dass die Daten gar nicht erfasst wurden,
00:19:38: Jonas Reber: als ein System, bei dem wir aktiv dafür kämpfen und beweisen müssen, dass unsere Anonymisierung wirklich funktioniert.
00:19:47: Jonas Reber: Also das eine ist Anonymität auf Systemebene bei QUMEA und das andere Anonymisierung im Nachgang.
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