DAT415 Boomerang: Meinungsforschung mit Social-Media und KI (Raphael Ueberwasser)

Shownotes

Weblinks:

Spezialgast Raphael Ueberwasser (Boomerang):

Beispiel «Cookie-Banner»:

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Über die «Datenschutz-Plaudereien»

Rechtsanwalt Martin Steiger und Andreas Von Gunten, Co-Gründer von Datenschutzpartner, plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.

Impressum: https://www.datenschutzpartner.ch/impressum/

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Sprecher: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien.

Sprecher: Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.

Martin Steiger: Guten Tag, mein Name ist Martin Steiger.

Martin Steiger: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien.

Martin Steiger: Wir sind heute zu Gast im Kraftwerk in Zürich, und zu Gast sind wir bei einem spannenden Unternehmen, das Boomerang heisst.

Martin Steiger: Das feiert den fünften Geburtstag, plus minus.

Martin Steiger: Darüber rede ich mit Rafa.

Martin Steiger: Rafa ist Gründer und, ich glaube, CEO von Boomerang.

Martin Steiger: Ja, Rafa, wir wollen natürlich wissen: Wer bist Du?

Martin Steiger: Was ist Boomerang?

Martin Steiger: Weil ich glaube, Boomerang ist ein Unternehmen,

Martin Steiger: das viele kennen sollten, aber noch gar nichts davon wissen.

Raphael Ueberwasser: Erstmal danke vielmals, dass ich hier sein kann, Martin.

Raphael Ueberwasser: Toll, dass wir das anlässlich unseres Jubiläums machen konnten.

Raphael Ueberwasser: Das ist das Tüpfchen auf dem i.

Raphael Ueberwasser: Raphael Ueberwasser, ich bin der Gründer von Boomerang

Raphael Ueberwasser: Ideas.

Raphael Ueberwasser: Du hast es eigentlich schon angedeutet:

Raphael Ueberwasser: Ideas ist ein bisschen rausgeflogen.

Raphael Ueberwasser: Wir sind eher bei Boomerang,

Raphael Ueberwasser: weniger beim Wort ‹Bumerang›,

Raphael Ueberwasser: denn eigentlich

Raphael Ueberwasser: ist es nicht mehr die ursprüngliche Ideenvalidierung, die wir damals gemacht haben.

Raphael Ueberwasser: So war die erste Idee.

Raphael Ueberwasser: Und wie das so ist, pivotieren Startups entlang der Bedürfnisse der Kunden.

Raphael Ueberwasser: Und jetzt sind wir bei Boomerang und mittlerweile in der Markt- und Meinungsforschung gelandet.

Martin Steiger: Also Ideas, auf Deutsch würde man sagen: Ideen.

Martin Steiger: Rafa, ich möchte noch ein bisschen mehr über Dich wissen.

Martin Steiger: Wir kennen uns schon lange, das kann ich offen sagen.

Martin Steiger: Aber Du hast im Leben ja nicht nur Boomerang gemacht.

Raphael Ueberwasser: Das ist richtig so.

Raphael Ueberwasser: Ja, es hat ein Leben vor Boomerang gegeben.

Raphael Ueberwasser: Ich erinnere mich manchmal vage daran zurück.

Raphael Ueberwasser: Ich bin ausgebildeter Betriebsökonom,

Raphael Ueberwasser: war dann lange in der Telekommunikation,

Raphael Ueberwasser: in der Strategieberatung.

Raphael Ueberwasser: Und gerade in der Strategieberatung

Raphael Ueberwasser: hatte ich einen sehr guten Einblick in diverse Grossbuden.

Raphael Ueberwasser: Das war superinteressant.

Raphael Ueberwasser: Das hat mir aber auch ein bisschen gezeigt, wo die Limiten sind, woran die grossen Buden wirklich arbeiten, und ich habe gesehen, dass sie alle ein bisschen mit Digitalisierung, Globalisierung und Marktanteil beschäftigt sind und so weiter.

Raphael Ueberwasser: Aber irgendwie hat das Consulting bei diesen essenziellen Problemen natürlich einen Teil irgendwo unterstützt, und ein Teil ist dann irgendwo im runden Ordner gelandet, sprich im Papierkorb.

Raphael Ueberwasser: Und das hat mir die Motivation gegeben, zu sagen: Ich möchte in die Selbstständigkeit gehen.

Raphael Ueberwasser: Also, vielleicht noch schnell, um den Bogen zu schliessen:

Raphael Ueberwasser: Die Ideenvalidierung ist eigentlich aus der Motivation entstanden,

Raphael Ueberwasser: ob ich denn überhaupt den Wechsel machen soll,

Raphael Ueberwasser: vom sicheren Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit.

Raphael Ueberwasser: Und die Ideenvalidierung hat damals Schwarmintelligenz eingesetzt, um Ideen zu validieren.

Raphael Ueberwasser: Also Facebook und Co., die man dann nicht bewerten konnte.

Raphael Ueberwasser: Genau, das war so ein bisschen das Chicken-and-Egg-Problem, bei dem ich dachte: Das wäre doch praktisch, wenn ich meine Business-Ideen testen könnte.

Raphael Ueberwasser: Und schlussendlich ist das dann die Business-Idee, die mich dazu gebracht hat, überhaupt einen Wechsel zu machen.

Raphael Ueberwasser: Natürlich hatte ich das Produkt noch gar nicht.

Raphael Ueberwasser: Vielleicht wäre das im heutigen «Vibe Coding»-Zeitalter noch mal anders.

Raphael Ueberwasser: Aber ich fand dann einfach: «Hey, let's do it.»

Raphael Ueberwasser: Und dann habe ich den Wechsel gemacht.

Raphael Ueberwasser: Wobei ich sagen muss, es gab auch noch eine weitere Episode,

Raphael Ueberwasser: nämlich Fritz, der eine sehr wichtige Rolle spielt.

Raphael Ueberwasser: Auch bei Boomerang: Mit ihm habe ich zusammen DAY8 gegründet.

Raphael Ueberwasser: Das ist eigentlich eine kleine Agentur für Workshops,

Raphael Ueberwasser: Trainings und Consulting.

Raphael Ueberwasser: Oder einfach Consulting.

Raphael Ueberwasser: Er hatte ebenfalls zum gleichen Zeitpunkt den gleichen Gedanken

Raphael Ueberwasser: und fand: «Hey, Rafa, ich glaube, wir können etwas zusammen machen.»

Raphael Ueberwasser: Und dann sind Boomerang und DAY8

Raphael Ueberwasser: zu

Raphael Ueberwasser: der gleichen Zeit

Raphael Ueberwasser: ungefähr entstanden.

Martin Steiger: Sag doch noch,

Martin Steiger: wie der Fritz mit vollem Namen heisst.

Martin Steiger: Fritz Seidel.

Martin Steiger: Dann kann ich das

Martin Steiger: auch in den Shownotes verlinken,

Martin Steiger: über Dein LinkedIn-Profil,

Martin Steiger: über Eure Website

Martin Steiger: und natürlich auch gerne

Martin Steiger: den erwähnten Fritz.

Martin Steiger: Rafa, ich glaube, als ich Dich kennengelernt habe, hat Boomerang im Wesentlichen Social-Media-Plattformen genutzt, um Umfragen durchzuführen.

Martin Steiger: Also, Ihr habt dort Werbung gebucht und mit der Werbung Segmente angesprochen, wie man das mit Social-Media-Werbung machen kann.

Martin Steiger: Also, man kennt das vielleicht: Wenn man Werbung auf Instagram, TikTok oder Facebook nutzt – damals war Facebook vielleicht noch viel wichtiger –, dann haben die Leute geantwortet, und Ihr habt das für Eure Kundinnen und Kunden ausgewertet. Als Unternehmen konnte ich zum Beispiel so versuchen herauszufinden: Was denkt ein bestimmtes Zielpublikum über ein Produkt? Habe ich das richtig im Kopf?

Raphael Ueberwasser: Absolut richtig. Wir haben eigentlich von Anfang an das Thema Microtargeting,

Raphael Ueberwasser: das eine Komponente der Werbetechnologie ist, mit der man sehr genau bestimmte Personen erreichen kann

Raphael Ueberwasser: oder ganze Personen- oder Altersgruppen. Das haben wir von Anfang an einmal ausgetestet,

Raphael Ueberwasser: damals mehr mit der Idee, Personengruppen zu erreichen, die vielleicht für eine bestimmte Geschäftsidee passend sind.

Raphael Ueberwasser: Dann haben wir einmal

Raphael Ueberwasser: in einem kleinen Innosuisse-Projekt

Raphael Ueberwasser: zusammen mit der Uni Zürich gesagt:

Raphael Ueberwasser: «Hey, warum nicht einmal

Raphael Ueberwasser: das Ganze stratifizieren, also versuchen,

Raphael Ueberwasser: eine ganze Bevölkerungsgruppe, also alle

Raphael Ueberwasser: Altersgruppen, Geschlechter,

Raphael Ueberwasser: Grossregionen zu erreichen und einfach einmal

Raphael Ueberwasser: die Sonntagsfragen oder die

Raphael Ueberwasser: eidgenössischen Abstimmungen ein oder zwei

Raphael Ueberwasser: Fragen zu stellen.»

Raphael Ueberwasser: Das ist dann gar nicht so schlecht herausgekommen.

Raphael Ueberwasser: Das hat uns dann eigentlich in die Richtung gebracht, in der wir jetzt sind.

Raphael Ueberwasser: Einfach gesagt: Markt- und Meinungsforschung, einfach mit einem Twist.

Raphael Ueberwasser: Und der Twist ist einfach, dass bei uns die Quellen nicht mehr die klassischen Online-Panels sind,

Raphael Ueberwasser: also wenn man über Primärdaten spricht, sondern wir nutzen eben das bekannte Format,

Raphael Ueberwasser: das wir damals entwickelt haben, in einem hohen Format.

Raphael Ueberwasser: In massiv hochskalierter Form.

Raphael Ueberwasser: Das heisst, wir sind mit dieser Werbung

Raphael Ueberwasser: unterwegs, mit Tausenden von Kampagnen

Raphael Ueberwasser: auf allen grossen Plattformen:

Raphael Ueberwasser: TikTok, Instagram, Snapchat

Raphael Ueberwasser: und so weiter.

Raphael Ueberwasser: Und wir verbinden das mit

Raphael Ueberwasser: einer klassischen Umfrage.

Raphael Ueberwasser: Das heisst: ein, zwei oder mehr Fragen

Raphael Ueberwasser: oder mittlerweile sogar 10- bis 20-minütige

Raphael Ueberwasser: Umfragen, bei denen man die Leute

Raphael Ueberwasser: derzeit mehrheitlich

Raphael Ueberwasser: intrinsisch motiviert dazu bringt,

Raphael Ueberwasser: an diesen Umfragen ad hoc teilzunehmen.

Martin Steiger: Rafa, ich schlage vor, wir spielen das mit einem Beispiel durch.

Martin Steiger: Einerseits aus Eurer Kundenperspektive.

Martin Steiger: Also, wenn jetzt jemand bei Euch Kunde ist, wie erlebt er das?

Martin Steiger: Und dann vielleicht das Gegenstück.

Martin Steiger: Ich bin Nutzerin oder Nutzer bei Social Media.

Martin Steiger: Wie begegne ich dann dem, was Euer Kunde angestossen hat?

Martin Steiger: Aber ich glaube, von der Reihenfolge her müssen wir mit Euren Kundinnen und Kunden anfangen.

Raphael Ueberwasser: Also, ich würde sagen, es gibt zwei Kundengruppen.

Raphael Ueberwasser: Die eine sagt einfach: Nachdem vor 10 bis 15 Jahren der Switch von Telefon zu Online-Panels stattgefunden hat

Raphael Ueberwasser: und man neuen Formaten

Raphael Ueberwasser: oder Methoden gegenüber skeptisch war, sind wir jetzt

Raphael Ueberwasser: wieder ein bisschen an einem Switch.

Raphael Ueberwasser: Meinungsforschende sind sich wahrscheinlich

Raphael Ueberwasser: einig, dass bei Panels

Raphael Ueberwasser: offenkundig ist, dass es

Raphael Ueberwasser: Herausforderungen gibt, Leute zu halten

Raphael Ueberwasser: bei diesen Online-Panels.

Raphael Ueberwasser: Und eine Kundengruppe ist sicher die,

Raphael Ueberwasser: die sagt: «Hey, ich möchte das ergänzen.»

Raphael Ueberwasser: Ich möchte einfach noch weitere Stimmen erreichen,

Raphael Ueberwasser: nicht nur die, die sich registriert haben

Raphael Ueberwasser: bei so einem Online-Panel, sondern auch die,

Raphael Ueberwasser: die einfach auf Social-Media-Plattformen unterwegs sind

Raphael Ueberwasser: und jetzt spontan bei so einer Umfrage

Raphael Ueberwasser: mitmachen. Das heisst,

Raphael Ueberwasser: im Prinzip ein besseres Sample zu kriegen.

Raphael Ueberwasser: Und solche Kunden kommen direkt zu uns

Raphael Ueberwasser: dazu, und dann sagen wir: Gut, wir haben

Raphael Ueberwasser: einen Self-Service. Wir sind nämlich ein kleines Startup, und

Raphael Ueberwasser: 80 % unseres Teams sind Forschende, Data Scientists oder Programmierer.

Raphael Ueberwasser: Und wir haben gar keine Möglichkeit zu beraten.

Raphael Ueberwasser: Darum arbeiten wir mit Partnern wie zum Beispiel gfs.bern zusammen,

Raphael Ueberwasser: die die Details übernehmen.

Raphael Ueberwasser: Aber im Prinzip haben wir das Ganze vollautomatisiert.

Raphael Ueberwasser: Wir haben ein vollautomatisiertes Tech-Tool gebaut, mit dem die Leute

Raphael Ueberwasser: ihre Umfragen erstellen können,

Raphael Ueberwasser: sie starten, und dann verteilt es sie

Raphael Ueberwasser: auf Social-Media-Plattformen. Das ist eine

Raphael Ueberwasser: Kundengruppe. Und vielleicht ganz kurz noch die zweite

Raphael Ueberwasser: Kundengruppe ist die,

Raphael Ueberwasser: die eigentlich noch nie Marktforschung

Raphael Ueberwasser: gemacht haben, aber Boomerang irgendwie

Raphael Ueberwasser: pragmatisch finden:

Raphael Ueberwasser: mit Social-Media-Plattformen

Raphael Ueberwasser: irgendwie neue Stimmen zu erreichen oder Stimmen,

Raphael Ueberwasser: die man sonst nicht erreicht.

Raphael Ueberwasser: Das heisst, man versucht wirklich, alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen.

Raphael Ueberwasser: Und die kommen meistens einfach ohne Erfahrung mit Umfragen und so weiter.

Raphael Ueberwasser: Und für diese Kundengruppe haben wir im Zeitalter von GenAI natürlich auch einen Agenten oder einen Copiloten,

Raphael Ueberwasser: dem man dann einfach die Hypothesen mitteilt, die man herausfinden möchte.

Raphael Ueberwasser: Dann erstellt er einen möglichst unvoreingenommenen Survey, und dann drückt man wieder auf Start.

Martin Steiger: Die zweite Kundengruppe kenne ich aus eigener Erfahrung.

Martin Steiger: Wir haben für Datenschutzpartner noch mal mit Euch eine Umfrage gemacht

Martin Steiger: wegen dieser nervigen Cookie-Banner.

Martin Steiger: Und das hat hervorragend funktioniert.

Martin Steiger: Also für mich überraschend gut.

Martin Steiger: Weil eben, Du hast die Online-Panels erwähnt.

Martin Steiger: Also, Online-Panel bedeutet ja: Man registriert sich irgendwie.

Martin Steiger: Als Person bin ich daran interessiert, bei Umfragen mitzumachen.

Martin Steiger: Und es tönt logisch: Wenn man sich dort registriert,

Martin Steiger: ist man vielleicht ein bisschen speziell veranlagt, nicht?

Raphael Ueberwasser: Ich würde sagen, man kann es sich ganz einfach vorstellen.

Raphael Ueberwasser: Wir sind ja auch in einem Raum mit diversen Gästen,

Raphael Ueberwasser: und vielleicht können die aufstrecken.

Raphael Ueberwasser: die in einem Panel registriert sind,

Raphael Ueberwasser: Dann etwa zehn Prozent vom Raum.

Raphael Ueberwasser: Ich glaube, die Quote ist sogar ein bisschen tiefer.

Raphael Ueberwasser: Das heisst nicht, dass nicht …

Raphael Ueberwasser: alle Altersgruppen, Geschlechter und so weiter

Raphael Ueberwasser: repräsentiert sind. Aber es ist schwierig, das abzudecken.

Raphael Ueberwasser: Und natürlich gibt es

Raphael Ueberwasser: gewisse, die einfach keinen Bock haben, das zu machen,

Raphael Ueberwasser: verständlicherweise. Und dort springen wir ein.

Martin Steiger: Ja, ich habe fast den Verdacht, dass ich nachher die gleichen Leute

Martin Steiger: die noch das Telefon abnehmen, wenn eine unbekannte

Martin Steiger: Nummer auf dem Display ist.

Martin Steiger: Aber das ist jetzt vielleicht ein bisschen böse.

Martin Steiger: Darum hat man ja vom Telefon auf Online-Panels gewechselt

Martin Steiger: und jetzt ist das wie eine Fortsetzung.

Martin Steiger: Du hast auch den Namen gfs.bern erwähnt.

Martin Steiger: Das ist ja eine sehr renommierte Brand.

Martin Steiger: Also, wenn man jetzt drei Abstimmungssonntage und die Wahlen verfolgt,

Martin Steiger: dann ist das immer das, was man sieht.

Martin Steiger: Zumindest beim SRF.

Raphael Ueberwasser: Absolut. Das ist der Goldstandard.

Raphael Ueberwasser: Wir sind durch eine strategische Partnerschaft dazugekommen.

Raphael Ueberwasser: Sie treffen ihre Entscheidungen unter anderem auch,

Raphael Ueberwasser: indem sie auf ein Sample von Boomerang schauen.

Martin Steiger: Jetzt noch die Gegenseite.

Martin Steiger: Ich bin Nutzerin oder Nutzer auf Social Media.

Martin Steiger: Wie begegne ich Euch?

Martin Steiger: Wie muss ich mir das vorstellen?

Martin Steiger: Wie sieht es aus? Ist es eine Werbung?

Raphael Ueberwasser: Absolut. Es ist plain and simple eine Werbung, die in Deinem LinkedIn-Feed als Post erscheint. Dort arbeitet man mit ganz einfachen Botschaften wie «Deine Meinung zählt», mit Köpfen von Menschen usw. oder allenfalls auch mit dem Thema, worum es geht.

Raphael Ueberwasser: um die Leute direkt thematisch zu rekrutieren.

Raphael Ueberwasser: Dann klicke ich darauf, und dann öffnet sich schon die Umfrage.

Raphael Ueberwasser: Es gibt auf Snapchat andere Formate, die deutlich integrierter sind.

Raphael Ueberwasser: Es gibt wirklich Knöpfe, mit denen man direkt über die verschiedenen Fragen abstimmen kann.

Raphael Ueberwasser: Man kann sich das wie einen Instagram-Sticker-Poll vorstellen,

Raphael Ueberwasser: den vielleicht die eine oder der andere kennt.

Raphael Ueberwasser: Also, die Idee ist wirklich, dass man auch die Freude an Social Media,

Raphael Ueberwasser: den positiven Teil, wieder in die Surveys bringt

Raphael Ueberwasser: und das Spielerische der Meinungsäusserung abholt.

Raphael Ueberwasser: Dass man das auch nutzen kann, um Meinungen sichtbar zu machen,

Raphael Ueberwasser: die derzeit eben nicht mehr so sichtbar sind.

Martin Steiger: Du hast jetzt LinkedIn erwähnt, Snapchat, Insta.

Martin Steiger: Was unterstützt Ihr sonst noch?

Raphael Ueberwasser: TikTok, Facebook.

Raphael Ueberwasser: Wir sind in vertiefter

Raphael Ueberwasser: Integration für WhatsApp.

Raphael Ueberwasser: Auch ein Messaging-Kanal ist etwas,

Raphael Ueberwasser: das extrem spannend ist, unabhängig

Raphael Ueberwasser: davon, ob wir jetzt viele bei der ganzen Bevölkerung

Raphael Ueberwasser: die Gruppe erreichen wollen. Aber das kann natürlich

Raphael Ueberwasser: gerade geopolitisch auch sehr spannend sein,

Raphael Ueberwasser: um jetzt auf Telegram irgendeine gewisse Gruppe

Raphael Ueberwasser: zu erreichen und so weiter. Und schlussendlich

Raphael Ueberwasser: sind wir ein Facilitierer.

Raphael Ueberwasser: Wir versuchen, im standardisierten Sample-Format möglichst

Raphael Ueberwasser: unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu ermöglichen,

Raphael Ueberwasser: die uns entweder Umfragen schicken oder das eben gerade selbst machen.

Martin Steiger: Im Moment ist KI natürlich immer das grosse Thema.

Martin Steiger: Du hast erwähnt, dass Ihr auch Agents einsetzt

Martin Steiger: oder vielleicht aus Nutzersicht ist es dann auch ein Chatbot,

Martin Steiger: der hilft, so eine Umfrage zu erstellen.

Martin Steiger: Wie geht es dort weiter in diesem Bereich,

Martin Steiger: gerade in der Marktforschung und bei diesen Umfragen?

Raphael Ueberwasser: Also, neben den Hygienefaktoren – wir haben natürlich unsere Hausaufgaben gemacht, diverse Automatisierungen –: Neben den heuristischen Automatisierungen, die wir in unserem Tool haben, kam vor knapp vier Jahren GPT-3.5 heraus, und da ist uns schnell klar geworden: Das hat Potenzial für Synthese.

Raphael Ueberwasser: Das ist damals noch etwas belächelt worden.

Raphael Ueberwasser: Und wir haben das dann einfach so etwas als U-Boot gefunden.

Raphael Ueberwasser: Hey, wir machen so ein Duplikat von Boomerang, einfach nach dem gleichen Prinzip.

Raphael Ueberwasser: Da muss man mal schauen, was eigentlich passiert,

Raphael Ueberwasser: wenn Du Dir ChatGPT gleich vorstellst.

Raphael Ueberwasser: Und das war natürlich zuerst noch grottenschlecht.

Raphael Ueberwasser: Plus natürlich immer die Verifizierung. Du machst das super.

Raphael Ueberwasser: Am Ende. Und jetzt, dreieinhalb Jahre später, mit zuerst Teilzeitforschung neben dem ganzen Produkt, das wir sonst hatten, ist das mittlerweile ein essenzieller Bereich geworden, in dem wir auch Forschung machen mit der Uni Basel und Johns Hopkins und zwei Forschungspartnern, der gfs.bern und der SBB.

Raphael Ueberwasser: wo es darum geht, das Optimum aus Mensch und Synthese zu identifizieren.

Raphael Ueberwasser: Und das machen wir eigentlich, indem wir verschiedene Sprachmodelle testen

Raphael Ueberwasser: auf die Genauigkeit, mit der sie antworten,

Raphael Ueberwasser: mit verschiedenen Trainingsdaten, indem wir ad hoc

Raphael Ueberwasser: die Daten mit unserem privilegierten Social-Media-Zugang verbessern.

Raphael Ueberwasser: Das haben eigentlich wirklich nur wir.

Raphael Ueberwasser: Stimmt, Meta hat Facebook und so weiter,

Raphael Ueberwasser: aber bei uns kann das LLM entscheiden:

Raphael Ueberwasser: «Ich möchte jetzt genau auf Snapchat den Teenager erreichen»

Raphael Ueberwasser: zur Validierung dieses Punkts.

Raphael Ueberwasser: Und dann kann das LLM hypothetisch,

Raphael Ueberwasser: vereinfacht gesagt, das extrapolieren

Raphael Ueberwasser: und es genau so soll da geben.

Raphael Ueberwasser: Das ist alles eine Hypothese.

Raphael Ueberwasser: Da haben wir ein Innosuisse-Projekt am Laufen,

Raphael Ueberwasser: ein zweieinhalbjähriges Projekt, von dem ich erwarte,

Raphael Ueberwasser: dass wir nächsten Sommer hoffentlich etwas Brauchbares herausbringen.

Raphael Ueberwasser: Es kann auch sein, dass man sagt: Das geht nicht.

Raphael Ueberwasser: Wir validieren das natürlich auch entlang der eidgenössischen Abstimmung zum Beispiel.

Raphael Ueberwasser: Das heisst, wir haben wirklich eine harte Validierung.

Raphael Ueberwasser: Das ist vielleicht auch der Ausblick und der Status quo:

Raphael Ueberwasser: dass wir die volle Synthese, also wirklich in ungefähr zehn Minuten,

Raphael Ueberwasser: eine Simulation der ganzen Schweiz,

Raphael Ueberwasser: auf irgendeine Frage oder auf einen ganzen Survey

Raphael Ueberwasser: und dort ist doch schon einiges passiert.

Raphael Ueberwasser: Da sind wir bei spannenden Resultaten, die schon indikativ brauchbar sind.

Martin Steiger: Also, wenn man das zu Ende denkt,

Martin Steiger: brauchen wir da nicht mehr die Menschen,

Martin Steiger: die auf die eine oder andere Art und Weise Fragen beantworten?

Raphael Ueberwasser: Das glaube ich nicht.

Raphael Ueberwasser: Ich glaube vor allem,

Raphael Ueberwasser: dass Sprachmodelle auf menschlichen Daten trainiert werden.

Raphael Ueberwasser: Und da gibt es immer mehr nicht-menschliche Daten.

Raphael Ueberwasser: Das heisst,

Raphael Ueberwasser: irgendwo muss der Mensch reinkommen.

Raphael Ueberwasser: Und frei nach Pareto glaube ich, dass bei 80 Prozent Korrelation wahrscheinlich irgendwo der Deckel bei der Synthese ist.

Raphael Ueberwasser: Wir sind aktuell bei einem ausgesuchten Kontrollsample bei 83 Prozent oder 0,83 Korrelation.

Raphael Ueberwasser: Also, wir haben das schon durchbrochen.

Raphael Ueberwasser: Ich glaube aber, dass es nicht mehr viel weitergeht bei der vollen Synthese.

Raphael Ueberwasser: Und das heisst …

Raphael Ueberwasser: Jetzt kommt eben das, was die Forschung so interessant macht:

Raphael Ueberwasser: dass man eben das Optimum aus beiden findet.

Raphael Ueberwasser: Also, dass man sagt: 80 Prozent Menschen und 20 Prozent Synthese oder umgekehrt oder etwas dazwischen.

Raphael Ueberwasser: Ich glaube, das ist die Zukunft.

Martin Steiger: Zum Schluss erlaube ich mir, den kritischen Hut aufzusetzen.

Martin Steiger: Du hast jetzt ganz viele faszinierende Sachen erzählt,

Martin Steiger: zumindest für mich faszinierend,

Martin Steiger: aber jetzt gibt es sicher auch Leute in diesem Publikum,

Martin Steiger: die finden: Okay, Social-Media-Plattformen,

Martin Steiger: Meta, Daten, es geht irgendwie um die Politik,

Martin Steiger: das hat offensichtlich auch eine heikle Seite.

Raphael Ueberwasser: Absolut. Und dessen sind wir uns von Anfang an bewusst gewesen.

Raphael Ueberwasser: Wir sind natürlich auch aus einer anderen Zeit.

Raphael Ueberwasser: Cambridge Analytica war damals noch nicht so weit entfernt, wie es jetzt ist.

Raphael Ueberwasser: Und vor allem Microtargeting hatte einen sehr schlechten Ruf.

Raphael Ueberwasser: Und darum fanden wir: «Hey,

Raphael Ueberwasser: wir wollen aus dem etwas Gutes machen, indem wir den Zugang zu Social Media standardisieren und versuchen, ihn preislich so zu optimieren, dass wir – im Startup-Lingo – die Demokratisierung der Marktforschung vorantreiben können.»

Raphael Ueberwasser: Aber Du hast natürlich recht.

Raphael Ueberwasser: Bei Social-Media-Plattformen hast Du erstens den Bias, das ist der Social-Media-Bias.

Raphael Ueberwasser: Auch wenn man sagen muss: Ein Grossteil der Bevölkerung,

Raphael Ueberwasser: 90 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, sind auf Social Media unterwegs.

Raphael Ueberwasser: Das ist ein riesengrosser Anteil.

Raphael Ueberwasser: Aber Du hast das Thema Social Media durch die ganze Politik ultrapolarisiert.

Raphael Ueberwasser: Wir haben wahnsinnig viel Verantwortung.

Raphael Ueberwasser: Wir sind uns dieser bewusst.

Raphael Ueberwasser: Wir nehmen das sehr, sehr ernst.

Raphael Ueberwasser: Und ich muss auch sagen: Ich nehme es genau so ernst,

Raphael Ueberwasser: da haben wir eigentlich von Anfang an mit Dir zusammengearbeitet.

Raphael Ueberwasser: Also, bevor wir uns kennengelernt haben,

Raphael Ueberwasser: habe ich eigentlich von Dir

Raphael Ueberwasser: die Du in der Zeit gelesen hast,

Raphael Ueberwasser: gefunden: «Hey, mit dem muss ich zusammenarbeiten,

Raphael Ueberwasser: wenn es um digitale Themen oder Daten im digitalen Raum geht,

Raphael Ueberwasser: müssen wir uns irgendwie so optimieren können,

Raphael Ueberwasser: dass es eine Zukunft hat.»

Raphael Ueberwasser: Und wir haben von Anfang an auf Datenminimalismus gesetzt,

Raphael Ueberwasser: also einfach möglichst wenig Daten. Das war entgegen

Raphael Ueberwasser: dem damaligen Zeitgeist, wo man

Raphael Ueberwasser: mit Big Data einfach mal alles

Raphael Ueberwasser: geschürft hat.

Raphael Ueberwasser: Das hat sich massiv gelohnt

Raphael Ueberwasser: für uns. Ich glaube, deswegen sind wir überhaupt noch da,

Raphael Ueberwasser: weil wir einfach gelernt haben,

Raphael Ueberwasser: mit ganz wenigen Daten zu arbeiten.

Raphael Ueberwasser: In der Zwischenzeit sind Social-Media-

Raphael Ueberwasser: Plattformen berechtigterweise reguliert

Raphael Ueberwasser: worden und haben immer mehr Daten

Raphael Ueberwasser: weggenommen. Diverse

Raphael Ueberwasser: Geschäftsmodelle sind einfach blöd

Raphael Ueberwasser: vor einem Scherbenhaufen gestanden.

Raphael Ueberwasser: Wir glücklicherweise nicht, weil unsere Datenbasis so klein und so fair war,

Raphael Ueberwasser: dass wir approximativ anonymisiert gearbeitet haben und so durchgekommen sind.

Raphael Ueberwasser: Und das sieht eigentlich nach einer guten Zukunft aus.

Martin Steiger: Letzte Frage für heute, Rafa.

Martin Steiger: Die Frage wie bei einem Bewerbungsgespräch.

Martin Steiger: Wo siehst Du Boomerang in fünf Jahren?

Raphael Ueberwasser: Danke für die Frage. Ja, wir sehen

Raphael Ueberwasser: Boomerang in fünf Jahren. Passend natürlich

Raphael Ueberwasser: zu unserem Jubiläum.

Raphael Ueberwasser: Ich hoffe natürlich, dass wir

Raphael Ueberwasser: irgendwo unser Format

Raphael Ueberwasser: so etablieren können,

Raphael Ueberwasser: dass wir wirklich den Zugang

Raphael Ueberwasser: allen ermöglichen können.

Raphael Ueberwasser: Das heisst, Ihr und Ihr von Studentin

Raphael Ueberwasser: bis zu Grossbuden, damit wir

Raphael Ueberwasser: eine Qualität haben, um wirklich zu sagen:

Raphael Ueberwasser: Hey,

Raphael Ueberwasser: Ich kann jede Person auf dieser Welt in einem Format erreichen, das weder für diese Person schädigend noch ungenau ist.

Raphael Ueberwasser: Und somit irgendwo dazu beitragen kann, dass die Polarisierung, die wir in der Welt haben, vielleicht ein bisschen geringer ist,

Raphael Ueberwasser: weil wir vielleicht die dahinterliegenden Gründe einer Meinung noch transparenter und klarer darlegen können.

Martin Steiger: Das ist doch wunderbar.

Martin Steiger: Rafa, vielen Dank,

Martin Steiger: dass Du Dir Zeit genommen hast.

Raphael Ueberwasser: Danke, Martin.

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