DAT411 Kein Zugriff per Virtual Private Network (VPN)
Shownotes
Weblinks:
Virtual Private Network (VPN):
- Virtual Private Network (VPN) (Deutschsprachige Wikipedia)
- iCloud Private Relay (Apple)
- Tor (Netzwerk) (Deutschsprachige Wikipedia)
- Web Application Firewall (WAF) (Cloudflare)
- Detect Anonymous Proxies & VPN (IP2Proxy)
- Empfehlenswerte VPN-Alternativen zu Mullvad und Proton (Kuketz IT-Security)
Mullvad VPN:
- Mullvad VPN
- Mullvad Exit IPs as a Fingerprinting Vector (tmctmt)
- Exit IP Fingerprinting between VPN Servers (Mullvad)
- Mullvad's Co-Funder is Bankrolling the Far Right (Korben)
- Donation Controversy (Mullvad)
Eigener VPN-Server:
- VPN-Verbindung einrichten (Swisscom)
- VPN mit FRITZ!Box (AVM)
- Unifi Gateway: Introduction to VPNs (Ubiquity)
- VPN Server with WireGuard: What are the Benefits? (Hetzner)
Websites mit VPN-Sperren (Auswahl):
- SRF Live (Schweizer Radio und Fernsehen, SRF)
- [Gemini](https://gemini.google.com/app] (Google)
- Fedlex und Bundesversammlung (Schweizer Parlament)
- AGOV – Ihr Behörden-Login
- Google-Abhängigkeit: Behörden-Login AGOV unterstützt kein GrapheneOS (Steiger Legal)
- AGOV-App blockiert VPN und meldet «No Internet» als Fehler (Steiger Legal)
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Über die «Datenschutz-Plaudereien»
Rechtsanwalt Martin Steiger und Andreas Von Gunten, Co-Gründer von Datenschutzpartner, plaudern über Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
Impressum: https://www.datenschutzpartner.ch/impressum/
Transkript anzeigen
Sprecher: Willkommen bei den Datenschutz-Plaudereien. Aktuelles, Bemerkenswertes und Persönliches rund um den Datenschutz und verwandte Themen.
Martin Steiger: Guten Tag, mein Name ist Martin Steiger, und mein Name ist Andreas Von Gunten. Andi, nutzt Du VPN, also Virtual Private Network? Ich frage Dich natürlich aus einem Grund, Andi, den erkläre ich auch gleich. Ich kann schon spoilern: Für mich ist es ein Ferienthema, und wir haben jetzt ja gerade die sommerliche Ferienzeit. Andreas Von Gunten: Genau, also ich nutze VPN in drei Situationen.
Andreas Von Gunten: Ich nutze es dann, wenn ich das Gefühl habe, ich bin an einem Ort, wo es mir besonders wichtig ist, dass ich es irgendwie noch einmal verschlüssele, wenn ich irgendwo eine Internetverbindung nutze, in einem Hotel oder so. Und das Zweite ist aber der Fall: Das Zweite ist, wenn ich VPN einsetze, wenn ich etwas teste, das in der Schweiz nicht erhältlich ist.
Andreas Von Gunten: Das gibt es ja leider immer wieder und immer öfter, dass US-Angebote in Europa nicht angeboten werden. Dann versuche ich manchmal, via VPN trotzdem reinzukommen, um reinzuschauen. Nämlich vor allem darum. Das geht nicht immer, wenn es mit Accounts verbunden ist, nicht. Aber das ist ein Grund. Und dann der dritte Grund ist, wenn ich nicht in der Schweiz bin, wenn ich im Ausland bin und ich auf Schweizer Dienste zugreifen will, dann ist auch meistens die Frage, dass man irgendeinen VPN-Server, einen Service nimmt, damit man das überhaupt noch kann, weil es eben leider heute so ist, dass das Zeug alles blockiert wird.
Martin Steiger: Können wir eigentlich voll zusammenfassen. Einerseits geht es letztlich um Geoblocking. Also Du willst virtuell in ein anderes Land, also aus der Schweiz ins Ausland oder aus dem Ausland zurück in die Schweiz. Und das andere ist: Du willst zusätzliche Sicherheit bei einer Internetverbindung, vielleicht in einem WLAN, einem Public WLAN oder vergleichbar. Andreas Von Gunten: Genau, das ist so zusammengefasst richtig. Genau, das gilt für mich genauso.
Martin Steiger: Ich glaube, Du und ich sind auch Fan von Mullvad VPN, einem bekannten schwedischen VPN-Dienst. Der ist gerade kürzlich ein bisschen politisch in die Schlagzeilen geraten. Das Fass will ich heute aus meiner Sicht nicht öffnen. Ich tue da ein, zwei Links in die Shownotes für die, die das interessiert. Dort ist es so, dass einer von den Gründern und heutigen Beteiligten politisch engagiert ist, und das passt nicht allen, sage ich mal. Aber heute soll es genau um das gehen, Andi, das Du schon angetönt hast. Mich nervt, dass ich mit VPN immer häufiger keinen Zugriff auf Dienste habe.
Martin Steiger: Zum Teil tatsächlich gesperrt, zum Teil faktisch kein Zugriff. Da gibt es auch wieder zwei Szenarien. Das eine ist das Geoblocking, vor allem mit dem Urheberrecht. Zum Beispiel: Mit Mullvad kommst Du nicht aufs SRF-Streaming. Jedenfalls häufig kommst Du nicht drauf. Auch wenn Du in der Schweiz bist, kommst Du nicht drauf. Dort kann übrigens auch iCloud Private Relay das Problem sein. Das ist auch ein VPN-ähnlicher Dienst von Apple im Safari-Browser. Das ist dabei, wenn man für iCloud zahlt im Apple-Universum.
Martin Steiger: Aber das ist das eine, also Geoblocking ganz klassisch. Okay, damit kann ich leben. Das ist nicht so entscheidend häufig, auch wenn es natürlich nervt. Und das andere sind wirklich Dienste, auf die man zum Teil gar nicht mehr oder eben nur eingeschränkt zugreifen kann. Was mir zum Beispiel aufgefallen ist: Auf Google Gemini kann ich mit Mullvad VPN überhaupt nicht zugreifen. Muss ich ausschalten.
Martin Steiger: Dann habe ich auch so ein paar sicherheitsrelevante Dienste, Konfiguration von Diensten et cetera. Also genau dort, wo ich eigentlich VPN nutze, wenn ich in einem Public WLAN oder so bin, um ein bisschen mehr Sicherheit zu haben, muss ich es ausschalten. Irgendwie leicht absurd. Dann, wo ich auch schon Probleme hatte: mit AGOV, also dem Login-Dienst der Behörden, dem neuen, den wir als Bürgerinnen und Bürger überall nutzen.
Martin Steiger: Übrigens, dort noch: Die haben auch noch Probleme mit GrapheneOS, also der sicheren, datensparsamen Android-Alternative. Soll aber gelöst werden, habe ich kürzlich verbloggt dazu. Also AGOV ein Problem. Sie haben aber gesagt, es sollte kein Problem sein, oder okay. Dort habe ich schon regelmässig Probleme.
Martin Steiger: Dann auch überhaupt im Staat in der Schweiz: Die Parlamentswebsite geht zum Teil nicht oder schlecht. Fedlex geht zum Teil nicht oder schlecht, also die Gesetzessammlung. Und ja, dann Google-Suche, dann kommen Captchas. Also man macht zum Teil KI-Training ohne Ende, wenn man mit Google-Suche über ein VPN online ist.
Andreas Von Gunten: Ja, Du hast jetzt alle wichtigen Beispiele gesagt. Nehmen wir mal im Detail: Wenn man von hier aus etwas nimmt, was im Ausland ist, kann man ja noch sagen: Also gut, das ist halt einfach deren Rechte, dass sie einschränken, wer das bekommt. Aber das Problem ist schon, wenn wir im Ausland sind und auf Schweizer Dienste zugreifen, dass das nicht funktioniert. Oder eben auch, wenn man in einem unsicheren Bereich ist und gerne mehr Sicherheit haben möchte für das, was man macht. Ich frage mich auch, warum das so zugenommen hat. Also mittlerweile, ich weiss nicht, ob Du eine Ahnung hast, wie das technisch läuft: Gibt es da mittlerweile wieder Dienste, könnte ich mir vorstellen, die diesen Anbietern quasi die IP-Listen von all diesen VPN-Anbietern liefern? Früher war es nicht so. Früher bist Du eigentlich schon relativ gut überall reingekommen, wenn Du einen guten VPN-Anbieter hattest.
Martin Steiger: Ja, es ist so: VPNs sind heute sehr gut identifizierbar. Je nach VPN-Provider werden eben gar nicht so viele IP-Adressen verwendet. Also bei Mullvad gab es kürzlich ein Thema, dass man sehr gut identifizieren kann, wer mit Mullvad unterwegs ist. Also das kennt man, das kann man sperren, das ist ein Standardangebot.
Martin Steiger: Ich habe da schon recherchiert, und was natürlich häufig genutzt wird, ist ein bekannter Name: Cloudflare. Die bieten im Rahmen ihrer Sicherheitsfunktionen an, dass sie VPN blockieren. Das ist dort natürlich ein Thema. Und dann wird es halt häufig auch unkritisch eingesetzt, also halt einfach die Standardkonfiguration. Es wird nicht sehr anspruchsvoll, gewisse VPN-Anbieter auszunehmen. Das spielt dort vor allem mit, aus meiner Sicht. Und die Gründe sind natürlich unterschiedlich. Ich vermute jetzt bei Fedlex und dem Parlament, überhaupt mit .ch, geht es wohl um Angriffe, also um DDoS-Attacken, die wir ja auch schon hatten oder die es vermutlich weiterhin gibt, wo man auf diesem Weg mutmasslich versucht abzuwehren, weil das natürlich das Problem ist: VPN-Zugriff wird auch missbraucht.
Martin Steiger: Also, es hat viele gute Funktionen, aber es wird auch missbraucht. Also im Sinne von dummen Streichen, aber bis hin natürlich auch zu Kriminalität. Das ist auch so verwandt mit dem Tor-Netzwerk, das dann noch stärkere Anonymisierung verspricht, mit Betonung auf verspricht, vielleicht nicht unbedingt. Da kommt mir auch noch ein Beispiel in den Sinn: Wikipedia.
Martin Steiger: Also Wikipedia bearbeiten mit einem VPN-Anbieter: schwierig wie möglich. Dort wirst Du ausgesperrt, damit es keine Lustbubenstreiche oder Schlimmeres gibt. Ja, was mir aufgefallen ist oder was ich zum Teil auch als Rückmeldung bekomme: Man sagt, Proton VPN funktioniere zum Teil noch gut, also im Vergleich zu anderen Anbietern. Habe ich jetzt nicht getestet, weil mein Vertrauen in Proton beschränkt ist, wie wir dort jetzt auch heute kommen. Aber am Ende des Tages ist es vielleicht ein bisschen Zufall. Vielleicht sind die IP-Adressen noch nicht so bekannt, oder was es auch immer ist. Aber ja, ich denke, heute mehr Beschwerde, als dass wir eine Lösung haben. Andreas Von Gunten: Ja, genau. Also vielleicht noch schnell zu Proton: Ob es jetzt Proton ist oder irgendein anderes, man muss davon ausgehen, das ist eine Frage der Zeit. Es kann gut sein, dass jetzt gerade irgendein Anbieter im Moment einigermassen funktioniert. Mich erinnert das natürlich an ein Katz-und-Maus-Spiel, und ich mag mich auch früher erinnern: Das ist schon immer ein Thema.
Andreas Von Gunten: Und ja, das ist das Problem: Sicherheitstechnologie, die Du für Deine Sicherheit einsetzen kannst, kann natürlich auch immer missbraucht werden. Das ist schon ein Problem. Ich bin aber trotzdem immer ein bisschen enttäuscht, wenn man einfach so den Hauptschalter umlegt. Also gerade vor allem, wenn man zum Beispiel Angebote macht, die eigentlich wichtig wären und auf die Leute zugreifen.
Andreas Von Gunten: Das ist mir einfach eine bequeme Lösung, muss ich sagen. Klar kann man einfach sagen: Schalte alles aus, dann habe ich nichts mehr zu tun. Aber wenn man in meinen Augen zum Beispiel ein staatliches Angebot bereitstellt, dann braucht es halt vielleicht ein bisschen mehr Aufwand, um sicherzustellen, dass die Leute, die das brauchen, es auch brauchen können, und irgendwie andere Lösungen zu finden, als einfach nur den Hauptschalter umzulegen.
Martin Steiger: Ich finde es nicht gut. Ich finde die Entwicklung nicht gut. Ich finde auch nicht gut, dass wir das Internet immer mehr balkanisieren. Ich finde es schlecht, was da passiert, und ich finde es schade. Es macht einfach das Internet und unser Leben am Schluss ärmer. Andi, jetzt ist mir gerade aufgefallen: Wahrscheinlich sagen ein paar Leute aus dem Publikum: Hey, es gibt eine Lösung, nicht beschweren. Ist mir wieder in den Sinn gekommen. Es gibt tatsächlich eine Lösung: ein eigenes VPN betreiben. Also, das geht heute auf vielen Routern, also zum Teil sogar als Standardfunktion von wirklich gängigen Routern.
Martin Steiger: Ein Freund hat gesagt: Modem, also durch die Geräte, mit denen man ins Internet geht, heute ja häufig mit Fiber to the Home. Und gerade wenn man mit einer symmetrischen Bandbreite unterwegs ist, kann das attraktiv sein, wenn das Gerät leistungsfähig genug ist. Also dann kann man dort häufig mit ein paar Klicks VPN einrichten. Man geht dann über den eigenen Internetanschluss, der zu Hause läuft, online.
Martin Steiger: Also, diese Möglichkeit gibt es sicher, weil die IP-Adressen im Normalfall nicht gesperrt sind. Also, es lohnt sich vielleicht, mal zu schauen. Ist natürlich ein Sicherheitsrisiko in dem Sinn, dass man einen Service im Internet exponiert. Das ist natürlich so. Also muss man vertrauen. Der Router hat eine Sicherheitslücke, aber die Funktion gibt es. Habe ich tatsächlich früher auch schon genutzt, aktuell nicht mehr.
Martin Steiger: Und die andere Möglichkeit ist, aber die wahrscheinlich weniger erfolgversprechende, dass man einen eigenen VPN-Server bei einem Cloud-Dienst laufen lässt. Zum Beispiel bei Amazon Web Services oder einfach bei einem Provider, oder was auch immer. Es gibt ganz viele Möglichkeiten. Das kostet halt aber Geld. Und ich habe den Verdacht, dass das dann auch wieder IP-Adressen sind, die schnell mal blockiert werden.
Martin Steiger: Gerade heute. Oder man hat die KI-Sperren und X-Filter. Man landet wieder häufig bei Cloudflare. Aber das ist sicher eine Alternative. Eben vor allem, dass man mal beim eigenen Router schaut: Habe ich eine VPN-Funktion? Dann darf ich sie mal aktivieren, ausprobieren, wie das geht. Das ist natürlich eine Alternative, wenn man sich das überlegt.
Martin Steiger: Gerade wenn man heute im Idealfall mit einem Gigabit symmetrisch oder 10 Gigabit symmetrisch oder was auch immer online ist, dann hat man genug Bandbreite, und das VPN muss ja gar nicht so viel leisten. Andreas Von Gunten: Ja, jetzt komme ich gerade auf eine Idee: Ich könnte auch einen KI-Agenten laufen lassen, der mir einfach in dem Moment, in dem ich einen VPN-Server brauche, schnell irgendeinen Random bei einem von meinen Anbietern installiert, parat macht, mir die IP-Adresse gibt und dann, wenn ich fertig bin, ihn wieder runterfährt. Das könnte ich mal ausprobieren als Regenprojekt, wenn es einmal gewittert im Sommer. Martin Steiger: Gut, das klingt jetzt eigentlich fast schon zu kompliziert. Also, wenn Du einen eigenen Router hast und irgendwie bei einem Cloud-Anbieter, okay. Also, ich spiele gerne, ich bastle gerne, aber irgendwie von der Schwierigkeitsstufe her hätte ich jetzt gesagt,
Andreas Von Gunten: Da brauchst Du wahrscheinlich nicht gross einen KI-Agenten. Das ist irgendwie ... Martin Steiger: Ja, einfach, dass ich jemandem den Job gebe, es zu machen. Das geht natürlich vor allem darum. Mach mir ein VPN. Andreas Von Gunten: Ja, Du hast ein soziales Gewissen für KI-Agenten. Martin Steiger: Genau.
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